Forschungsprojekt

Ernährungskulturen & Geschlecht

Forschungsprojekt zur empirischen Untersuchung von Männlichkeitskonstruktionen am Beispiel Fleischkonsum und ‚Veggie-Boom‘. Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Forschungsschwerpunkt „Dimensionen der Kategorie Geschlecht – Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen“.

Laufzeit: Juli 2017 – Dezember 2018

Kurzbeschreibung

Gegenwärtige gesellschaftliche Veränderungen im Bereich des Essens werden in der Regel mit hoher medialer Aufmerksamkeit begleitet. Unterschiedlichste Trends und Diäten hinterfragen tradierte Essgewohnheiten, propagieren Lifestyle-Produkte oder fordern zu gesundheitsbewussten Ernährungsweisen auf. Fast zeitgleich wird Traditionelles, kaum verabschiedet, wiederentdeckt, aufgemöbelt und in verändertem Gewand reinszeniert. Insbesondere am Lebensmittel Fleisch entzünden sich Kontroversen: Der „Veggie-Boom“, die immer stärkere Verbreitung des Vegetarismus und Veganismus, scheint einen bedeutenden Nerv alltagskultureller Selbstverständlichkeiten zu treffen. Umgekehrt finden sich Ansätze einer erneuerten und intensiv zelebrierten Fleischkultur. Betrachtet man hier Phänomene wie die Zeitschrift „Beef! Für Männer mit Geschmack“ wird deutlich, dass gerade das Thema Fleisch nicht geschlechtsneutral behandelt wird, sondern starke Bezüge zu Männlichkeit bestehen. Doch während in den Naturwissenschaften zumeist Gesundheitsaspekte im Vordergrund stehen, findet die kulturelle Seite des Fleischkonsums bzw. -verzichts in Zusammenhang mit seiner Bedeutung für soziale Vorstellungen von Männlichkeit weitaus weniger wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Hier setzt das Forschungsprojekt mit einer ethnografisch ausgerichteten empirischen Untersuchung an. Es zielt auf die Beleuchtung des aktuellen gesellschaftlichen Wissens über Ernährung in Zusammenhang mit Fleisch und der alltäglichen Praxis des Fleischkonsums bzw. der pflanzlichen Ernährung. Mit dieser Gegenüberstellung folgt das Forschungsvorhaben der Annahme, dass in Zusammenhang mit Fleisch und Veganismus unterschiedliche Konstruktionsweisen von Männlichkeit gesellschaftlich ausgehandelt werden. Dieser kultursoziologische Zugang will also weder die normative Frage einer ethisch ‚richtigen‘ Wahl von Lebensmitteln in Zusammenhang mit Geschlecht beantworten, noch die gesundheitswissenschaftliche Problemstellung, wie erwünschtes ‚gesundes‘ geschlechtlich differenziertes Ernährungsverhalten zu erzielen sei. Im Zentrum der Untersuchung steht hingegen die Analyse der kulturellen Herstellung von Männlichkeiten und deren Verkörperungen über Fleischkonsum bzw. -verzicht.

Wissenschaftliche Leitung:

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen:

Studentische Mitarbeiter*innen:

  • Anna Kraft