Forschungsprojekte am Fachgebiet Kultur- und Wissenssoziologie

Forschungsprojekte mit der Beteiligung von Prof. Dr. Tanja Paulitz

Die Kultur- und Wissenssoziologie beschäftigt sich mit kulturellen Ordnungen in unterschiedlichen Teilbereichen der Gesellschaft. Zentral ist dabei die Frage, wie Wissen die soziale Welt prägt und (ihrerseits) von ihr geprägt wird.

Die Soziologie untersucht demnach die gesellschaftlichen Voraussetzungen dessen, was wir als Mitglieder dieser Gesellschaft wissen. Zum Gegenstand der Betrachtung wird nicht allein das, was wir wissen, wenn uns bewusst ist, dass wir wissen, sondern auch Auffassungen, die uns so selbstverständlich sind, dass wir geradezu unbewusst unseren Alltag danach ausrichten oder gar unsere körperlichen Routinen entsprechend funktionieren. Dieses Wissen ist mit Machtverhältnissen verbunden, wenn etwa selbstverständlich Gewusstes soziale Ungleichheiten aufrechterhält. Ein Beispiel sind unhinterfragte kulturelle Vorstellungen über Weiblichkeit und Männlichkeit, die soziales Handeln von und gegenüber Männern und Frauen anleiten. Auf diese Weise kann die Soziologie Phänomene erforschen, die sich sehr häufig dem Blick der Gesellschaftsmitglieder entziehen und gerade deshalb eine hohe Wirkmächtigkeit besitzen. Im Mittelpunkt unseres Interesses steht also der Zusammenhang von Wissen, kulturellen Praktiken und gesellschaftlichen Machtverhältnissen.

Im Arbeitsbereich an der TU Darmstadt beschäftigen wir uns vor allem mit folgenden Gegenstandsbereichen:

  • Technik, Digitalisierung, Arbeit
  • Naturwissenschaften, akademische Wissenskulturen
  • Ernährung, Essen und Körper
  • Hochschule als Studien- und Arbeitsort
  • Ingenieurkultur und das Selbstverständnis von Ingenieur_innen
  • Geschlecht/Gender, Diversität.

In der Untersuchung von Technik geht es beispielsweise darum, wie kulturelle Vorstellungen und Praktiken die Entwicklung und Gestaltung einer bestimmten Technologie prägen. Das kann bedeuten, sich systematisch damit zu beschäftigen, wie in der Konstruktion von Technik durch soziale Prozesse Entscheidungen getroffen und Festlegungen dafür vorgenommen werden, was mit dieser Technologie möglich ist und was nicht. Aktuell könnten wir uns etwa damit beschäftigen, wie soziale Netzwerke im Internet programmiert sind und was dies für ihre Nutzung bedeutet. Dann wird also beispielsweise untersucht,

  • welche sozialen Handlungsräume genau technisch geformt werden,
  • welche Möglichkeiten und welche Begrenzungen sie aufweisen,
  • wie der Zugang reguliert wird oder
  • welche Spielräume in der Nutzung entstehen.

Technik wird so durchgängig in ihren Entstehungskontexten, ihrer Ausgestaltung und ihrer Nutzung immer auch als soziales Phänomen betrachtet.

Die Forschung im Arbeitsbereich arbeitet primär mit kultur- und wissenssoziologischen Perspektiven aus

  • Diskurstheorie und Gouvernementalitätsforschung,
  • feministischer Theorie und sozialwissenschaftlicher Geschlechterforschung,
  • Praxistheorie, Habitus- und Feldtheorie
  • und historischer Epistemologie.

Diese Perspektiven werden in folgenden Schwerpunktbereichen mit folgenden Basiskonzepten produktiv gemacht:

  • Techniksoziologie: partizipative und sozial reflexive Technikgestaltung, Techniknutzungsweisen, Koproduktion von Technik und Geschlecht
  • Wissenschafts- und Hochschulforschung: Wissenskulturen, Praxisformen, Wandel der Hochschulen
  • Ingenieurberuf und Ingenieurkultur: Berufskulturen, Subjektivierungsweisen, Praxisformen, Maschinenkonzepte
  • Frauen- und Geschlechterforschung: Männlichkeiten, Intersektionalität, Wissensgeschichte von Geschlecht
  • Ernährung, Körper und Nahrungsmittel: Fleischkultur, Embodying, Koproduktion von Essen und Geschlecht, Lebensmittel als Biofakte
  • Methoden der qualitativen empirischen Sozialforschung: Diskursforschung, Genealogie, Ethnografien, GroundedTheory.

Laufende Forschungsprojekte

>>Digitale Bohème<< und Mitbestimmung. Informelles Digitalisierungswissen im Großunternehmen als zukünftige Gestaltungsressouce für Betriebsräte

Jenseits der Gläsernen Decke. Professorinnen zwischen Anerkennung und Marginalisierung (academica)

Genealogien der Gender Studies

Geschlechteraspekte in Forschung und Lehre in MINT-Fächern an der TU Darmstadt (GENDER@MINT.TU)

Ernährungskulturen und Geschlecht

»Digitale Bohème« und Mitbestimmung. Informelles Digitalisierungswissen im Großunternehmen als zukünftige Gestaltungsressource für Betriebsräte

Das Forschungsprojekt ist Teil des Verbundprojekts »Digitalisierung, Mitbestimmung, gute Arbeit« der Hans-Böckler-Stiftung; Fördervolumen: ca. 365.000 Euro

Wissenschaftliche Leitung

  • Prof. Dr. Tanja Paulitz paulitz(at)ifs.tu-darmstadt.de
  • Prof. Dr. Ulrich Brinkmann brinkmann(at)ifs.tu-darmstadt.de

Wissenschaftliche Mitarbeit

  • Dr. Irmgard Diewald diewald(at)ifs.tu-darmstadt.de

Studentische Mitarbeit

  • Sarah Brendel B.A. sarah.brendel(at)stud.tu-darmstadt.de
  • Katharina Stojetz katharina.stojetz(at)stud.tu-darmstadt.de
  • Sandra Seeger sandra.seeger(at)stud.tu-darmstadt.de

Laufzeit: 01.01.2018 – 31.12.2020

Kurzbeschreibung

Die Digitalisierung der Arbeit und nahezu aller Lebensbereiche prägt derzeit die öffentlichen Debatten in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Im Zentrum stehen in der Regel Bandbreiten, Endgeräte und Kompetenzen. Digitalisierung ist insbesondere für Betriebe das leitende Zukunftsszenario. Allerdings ist ‚digitalisierte‘ Arbeit in ihren konkreten alltäglichen Erscheinungsformen im Betrieb bislang völlig unzureichend erforscht. Auch die Frage, ob und, wenn ja, in welcher Weise digitale Technologien neue Belastungen erzeugen bzw. neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen, stellt gegenwärtig eine Forschungslücke dar. Dieses Wissen, welche Gestalt Digitalisierung im Betrieb derzeit konkret annimmt, ist insbesondere auch für betriebliche Mitbestimmung und ihre Möglichkeiten, gestaltend in Digitalisierungsprozesse einzugreifen, von fundamentaler Bedeutung.

Hier setzt das von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Forschungsprojekt „Digitale Bohème“ und Mitbestimmung, geleitet von Prof. Dr. Tanja Paulitz und Prof. Dr. Ulrich Brinkmann am Institut für Soziologie, an. Es zielt darauf ab, Grundlagenwissen über die informelle Nutzung digitaler Technologien und damit auch Gestaltungsressourcen für Betriebsräte zu generieren. Im Fokus der Untersuchung steht mit der „digitalen Bohème“ eine besondere Gruppe von Beschäftigten, die in verschiedenen Tätigkeitsfeldern von Großbetrieben über eine breite Palette informeller und kontextbezogener Nutzungsweisen digitaler Technologien verfügt. Diese Nutzungspraxis der digitalen Bohème verspricht näheren Aufschluss darüber, welche Handlungszwänge aber auch -spielräume für die Nutzung digitaler Technologien in verschiedenen Teilen des Arbeitsprozesses bestehen, und so auch, wo konkrete Ansatzpunkte für die Gestaltung des Digitalisierungsprozesses gewonnen werden können.

Das Projekt zielt darauf ab, die Machtverhältnisse auf der Mikroebene der betrieblichen digitalisierten Arbeitspraxis zu analysieren. Geleistet werden soll damit ein wissenschaftlicher Beitrag zu einem besseren Verständnis aktueller Veränderungen der Arbeitswelt aus einer arbeits-, technik- und ungleichheitssoziologischen Perspektive. Ein zusätzlicher Anwendungsbezug besteht in der Schaffung einer empirisch fundierten Wissensgrundlage für die Gestaltung guter digitaler Arbeit.

Das empirische Untersuchungsdesign kombiniert eine Sekundärauswertung der Daten des DGB-Indexes „Gute Arbeit“ aus dem Jahr 2016 mit einer qualitativen ethnografischen Feldstudie in mehreren Großbetrieben und Branchen. Mit einer solchen Ethnografie gilt es in die betriebliche Arbeitssituation und die alltäglichen Arbeitsprozesse der digitalen Bohème einzutauchen, um ihre Nutzungsweisen digitaler Technologien, die auf sie wirkenden Zwänge, Belastungen sowie die von ihnen entwickelten Umgangsweisen und Lösungsansätze zu rekonstruieren.

Jenseits der Gläsernen Decke. Professorinnen zwischen Anerkennung und Marginalisierung (academica)

Forschungsprojekt zur Situation von Professorinnen

Obwohl Wissenschaftsorganisationen und die Politik in den 2000er Jahren Programme zur Steigerung des Professorinnenanteils an den Hochschulen aufgelegt haben, bleibt – so die Bestandsaufnahme des Wissenschaftsrats – die Zahl der Professorinnen hinter den Erwartungen zurück. Die Soziologieprofessorin Tanja Paulitz untersucht in einem Forschungsprojekt der TU Darmstadt und der HAWK die Erfahrungen von Professorinnen in der Bundesrepublik Deutschland.

Das Verbundvorhaben „Jenseits der Gläsernen Decke. Professorinnen zwischen Anerkennung und Marginalisierung (academica)“ wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter dem Förderkennzeichen 01FP1637 und 01FP1638 gefördert.

Weitere Informationen finden Sie auf der Projekthomepage.

Veröffentlichung:

Interview mit Prof. Dr. Tanja Paulitz im Darmstädter Echo

Wissenssoziologische und – geschichtliche Studien zur Entstehung und Formierung der Gender Studies im deutschsprachigen Raum und in den USA. Eigenfinanzierung durch den Arbeitsbereich Kultur- und Wissenssoziologie.

Studentische Mitarbeit: Ricarda Kramer, B.A.

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Tanja Paulitz

Laufzeit: 2015-2019

Kurzbeschreibung

Das Projekt unternimmt eine wissenschaftsgeschichtliche Untersuchung der Gender Studies, die sich an einem genealogischen Zugang orientiert. Unter der Bezeichnung „Gender Studies“ hat sich im deutschsprachigen Raum ein Forschungsfeld formiert und in ersten Ansätzen eine Institutionalisierung erfahren. Im Zuge der Formierung dieses Feldes wurden einige zentrale theoretische Leitkonzepte, nicht zuletzt „gender“ als Analysekategorie, entwickelt und verschiedene Paradigmen ausgebildet. Trotz bis heute anhaltender lebhafter Kontroversen und Debatten, die die gesamte Geschichte der Gender Studies prägen, sind in jüngerer Zeit zahlreiche Kanonisierungsbemühungen sowie Ansätze einer Disziplinbildung zu beobachten. Das Forschungsprojekt studiert diese Prozesse aus einer wissenssoziologischen und wissensgeschichtlichen Perspektive mit besonderem Fokus auf die sozialwissenschaftlichen Stränge der Gender Studies, auf die Feminist Science and Technology Studies und die feministischen Epistemologien.

Veröffentlichungen

Paulitz, Tanja (2017): Parteilichkeit – Objektivität: Frauen- und Geschlechterforschung zwischen Politik und Wissenschaft. In: Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Hg.: Beate Kortendiek, Katja Sabisch, Birgit Riegraf. Wiesbaden: VS (online first publiziert).

Abstract:

Das Spannungsverhältnis von Parteilichkeit und Objektivität ist ein zentrales wissenschaftstheoretisches und methodologisches Diskussionsfeld, das für die Auseinandersetzung über den Stellenwert und die Bedeutung politischer Perspektiven im Prozess wissenschaftlicher Wissensproduktion in der sich in den 1980er-Jahren formierenden Frauenforschung und feministischen Theorie bedeutsam ist. Der Beitrag konzentriert sich darauf, wesentliche Positionen zum Begriffspaar zu skizzieren und wissenschaftstheoretisch sowie methodologisch einzuordnen.

Paulitz, Tanja (2017): Frauen-/Geschlechterforschung. Paradigmen, Kontroversen und Genealogien – von den Anfängen bis zur Jahrtausendwende. In: Geschichte der deutschsprachigen Soziologie, Bd. 1. Hg.: Stefan Moebius, Andrea Poldre. Wiesbaden: VS (online first publiziert).

Abstract:

Die Frauenforschung bzw. Geschlechterforschung formierte sich als neues akademisches Gebiet ausgehend von Frauenbewegung und Feminismus und etablierte sich unter anderem im disziplinären Kontext der Soziologie seit den 1970er Jahren. Der primäre Bezug des Beitrags sind westdeutsche Debatten und Kontexte sowie ihre Bedeutung vor dem Hintergrund ausgewählter internationaler bzw. insbesondere US-amerikanischer Entwicklungen/Diskurse. Den wissenschaftshistorischen Fokus bildet die Analyse der spezifischen Ausprägungen des Akademisierungsprojekts „Frauen-“ bzw. „Geschlechterforschung“. Die chronologische Darstellung setzt ein in der Zeit vor dem eigentlichen Aufbruch, beschreibt dann den doppelten Aufbruch der Frauenforschung im Spannungsfeld von Frauenbewegung und Wissenschaft und fährt fort mit der Professionalisierung der Frauenforschung als kritische akademische Praxis. Im Anschluss wird die Verschiebung von der Frauen- zur Geschlechterforschung betrachtet, die sich als Projekt der Deessenzialisierung im Sinne eines radikalen akademischen Denkstils begreifen lässt. Der Beitrag endet mit einem Ausblick in die Zeit nach der Jahrtausendwende und behandelt wichtige Facetten der seitdem erfolgenden Arbeit an der Reichweite der Analysekategorie Geschlecht.

Geschlechteraspekte in Forschung und Lehre in MINT-Fächern an der TU Darmstadt (GENDER@MINT.TU)

Forschungsprojekt an der Schnittstelle von Wissenschafts- und Technikforschung sowie sozial- und kulturwissenschaftlicher Geschlechterforschung zur Integration von Geschlechteraspektiven in Forschungs- und Lehraktivitäten der sogenannten MINT-Fächer an der TU Darmstadt; in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten der TU Darmstadt; finanziert aus den Mitteln des Professorinnenprogramms II (Fördersumme i.H.v. ca. 65.000 Euro)

Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Pia Singer, M.A.

Studentischer Mitarbeiter: David Meier-Arendt

Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Tanja Paulitz

Stellvertretende Leitung: Dr. Bianca Prietl

Laufzeit: Oktober 2017 – Dezember 2018

Kurzbeschreibung

Nationale und internationale Förderinstitutionen wie die DFG oder die EU mit ihrem Horizon 2020‑Programm fordern zunehmend die Integration von Geschlechteraspekten in den von ihnen finanzierten Forschungsvorhaben. Auch die TU Darmstadt strebt dies mit Blick auf die Forschungs- und Lehraktivitäten ihrer technik-naturwissenschaftlichen Fächer (oft auch als MINT-Fächer bezeichnet) an. Damit wird das Ziel verfolgt, Engführungen bedingt durch einen ‚male bias‘ zu überwinden und somit die Qualität und gesellschaftliche Relevanz des erzeugten Wissens zu erhöhen.

Bislang beschränken sich Ansätze, mit denen diesen Anforderungen in naturwissenschaftlich-technischen Fächern Rechnung getragen wird, vorwiegend auf gleichstellungspolitische Bemühungen – kurz, auf die verstärkte Integration von Frauen. Die inhaltliche Einbindung von fachlichen Perspektiven der sozial- und kulturwissenschaftlichen Geschlechterforschung als Möglichkeit der Erhöhung der Reflexivität von Forschung und Technologieentwicklung in Bezug auf gesellschaftliche Verhältnisse – insbesondere Geschlechterverhältnisse – findet derzeit jedoch noch kaum statt. Vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, sowohl bereits an der Hochschule bestehende Forschungs- und Lehraktivitäten, die einen inhaltlichen Bezug zu Geschlecht herstellen, zu eruieren, zu vernetzen und damit zu stärken, als auch Weiterentwicklungspotentiale aus der Sicht sozial- und kulturwissenschaftlicher Geschlechterforschung zu identifizieren, zu diskutieren und gezielt zu fördern.

An dieser Stelle setzt das Projekt GENDER@MINT.TU an: Es recherchiert in einem ersten Schritt in welchen Forschungsbereichen in natur- und technikwissenschaftlichen Fächern Geschlecht inhaltlich in Forschung oder Lehre bereits berücksichtigt wird beziehungsweise wo eine solche Perspektive anschlussfähig ist. Erste Zielsetzung ist, eine Kartographie der geschlechterbezogenen Forschung und Lehre in MINT-Fächern an der TU zu erstellen. In einem zweiten Schritt soll mittels Expert_innen- und Leitfadeninterviews ein vertieftes Verständnis darüber gewonnen werden, in welcher Weise Geschlecht in diesen MINT-Vorhaben einbezogen bzw. als anschlussfähig betrachtet wird. Damit will das Projekt nicht nur (fachspezifische) Hürden, Herausforderungen und Weiterentwicklungspotentiale aus der Perspektive der sozial- und kulturwissenschaftlichen Geschlechterforschung sowie aus der Wissenschafts- und Technikforschung identifizieren, sondern auch Perspektiven für interdisziplinäre Vernetzungsmöglichkeiten und kooperative Forschungsvorhaben in diesem Themenfeld entwickeln. Der qualitativ-offene Zugang schafft gleichzeitig die Grundlage dafür, Fachgebiete in MINT-Fächern mit fachlichen Perspektiven der Geschlechterforschung produktiv ins Gespräch zu bringen.

Veröffentlichungen

Prietl, Bianca; Paulitz, Tanja, 2018, Gender in Design. Plädoyer für eine feministisch-partizipative und interdisziplinäre Gestaltungspraxis. In: Bieling, Tom, Hrsg., Gender (&) Design. Mimesis International. (in Vorbereitung)

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2018, Feministische Innovationstheorien. In: Blättel-Mink, Birgit; Schulz-Schaeffer, Ingo; Windeler, Arnold, Hrsg., Handbuch Innovationsforschung. Sozialwissenschaftliche Perspektiven. VS Verlag. (in Begutachtung)

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2015, Handlung oder Person? Genderreflexive Gestaltung von Software. In: Barke, Helena; Siegeris, Juliane; Freiheit, Jörn; Krefting, Dagmar, Hrsg., Gender und IT-Projekte. Neue Wege zu digitaler Teilhabe. B. Budrich. 45-60.

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2014, Geschlechter- und intersektionalitätskritische Perspektiven auf Konzepte der Softwaregestaltung. In: Marsden, Nicola; Kempf, Ute, Hrsg., Gender-UseIT. HCI, Usability und UX unter Gendergesichtspunkten. De Gruyter. 79-89.

Forschungsprojekt zur empirischen Untersuchung von Männlichkeitskonstruktionen am Beispiel Fleischkonsum und ‚Veggie-Boom‘. Gefördert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Forschungsschwerpunkt „Dimensionen der Kategorie Geschlecht – Frauen- und Geschlechterforschung in Hessen“.

Wissenschaftliche Leitung: Tanja Paulitz

Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Martin Winter

Studentische Mitarbeiterin: Anna Kraft

Laufzeit: Juli 2017 – Dezember 2018

Kurzbeschreibung

Gegenwärtige gesellschaftliche Veränderungen im Bereich des Essens werden in der Regel mit hoher medialer Aufmerksamkeit begleitet. Unterschiedlichste Trends und Diäten hinterfragen tradierte Essgewohnheiten, propagieren Lifestyle-Produkte oder fordern zu gesundheitsbewussten Ernährungsweisen auf. Fast zeitgleich wird Traditionelles, kaum verabschiedet, wiederentdeckt, aufgemöbelt und in verändertem Gewand reinszeniert. Insbesondere am Lebensmittel Fleisch entzünden sich Kontroversen: Der „Veggie-Boom“, die immer stärkere Verbreitung des Vegetarismus und Veganismus, scheint einen bedeutenden Nerv alltagskultureller Selbstverständlichkeiten zu treffen. Umgekehrt finden sich Ansätze einer erneuerten und intensiv zelebrierten Fleischkultur. Betrachtet man hier Phänomene wie die Zeitschrift „Beef! Für Männer mit Geschmack“ wird deutlich, dass gerade das Thema Fleisch nicht geschlechtsneutral behandelt wird, sondern starke Bezüge zu Männlichkeit bestehen. Doch während in den Naturwissenschaften zumeist Gesundheitsaspekte im Vordergrund stehen, findet die kulturelle Seite des Fleischkonsums bzw. -verzichts in Zusammenhang mit seiner Bedeutung für soziale Vorstellungen von Männlichkeit weitaus weniger wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Hier setzt das Forschungsprojekt mit einer ethnografisch ausgerichteten empirischen Untersuchung an. Es zielt auf die Beleuchtung des aktuellen gesellschaftlichen Wissens über Ernährung in Zusammenhang mit Fleisch und der alltäglichen Praxis des Fleischkonsums bzw. der pflanzlichen Ernährung. Mit dieser Gegenüberstellung folgt das Forschungsvorhaben der Annahme, dass in Zusammenhang mit Fleisch und Veganismus unterschiedliche Konstruktionsweisen von Männlichkeit gesellschaftlich ausgehandelt werden. Dieser kultursoziologische Zugang will also weder die normative Frage einer ethisch ‚richtigen‘ Wahl von Lebensmitteln in Zusammenhang mit Geschlecht beantworten, noch die gesundheitswissenschaftliche Problemstellung, wie erwünschtes ‚gesundes‘ geschlechtlich differenziertes Ernährungsverhalten zu erzielen sei. Im Zentrum der Untersuchung steht hingegen die Analyse der kulturellen Herstellung von Männlichkeiten und deren Verkörperungen über Fleischkonsum bzw. -verzicht.

Bianca Prietl

Vergeschlechtlichte Praktiken der Grenzziehung zwischen ‚Technik‘ und ‚Sozialem‘. Zur diskursiven Konstituierung des Ingenieurs im Bereich erneuerbarer Energien

Qualitativ-empirisches Dissertationsprojekt zur Ingenieurarbeit im Bereich erneuerbarer Energien aus Geschlechterperspektive. Teilfinanziert durch ein JungforscherInnenstipendium des Universi­täts­­rats der Karl-Franzens Universität Graz (Volumen: 24.000 €). Abschluss der Promotion mit Auszeichnung im März 2017.

Martin Winter

Abgeschlossene Projekte

Gendering of Boundary Work in Engineering (genderneering)

Verhandlungen von Geschlechtergrenzen in den Naturwissenschaften am Beispiel von NAWI Graz (Gender NAWI)

Work-Life-Balance an der Karl-Franzens-Universität Graz (WLB-KFU)

Qualitatives Forschungsprojekt zu Verhandlungen von Geschlechtergrenzen in der Technik im synchronen und diachronen Vergleich. Finanziert vom Österreichischen Wissenschaftsfond (FWF). Volumen: ca. 175.000€.

Mitarbeiter_innen: Bianca Prietl, Armin Ziegler (temporäre Mitarbeiterinnen: Saskia Fürst, Sarah Rossmann, Daria Urdl, Markise Lechner).

Laufzeit: Februar 2010 bis März 2013

Zum Weiterlesen:

- Kurzbericht in deutsch oder englisch (PDF)

- Informationen auf den Seiten des FWF unter der Projektnummer P 22034 – Projektsuchmaschine

Qualitatives Forschungsprojekt zu Geschlechtergrenzen in naturwissenschaftlichen Fachkulturen am Beispiel des Forschungsclusters NAWI Graz. Finanziert vom Land Steiermark und NAWI Graz. Volumen ca. 70.000€.

Mitarbeiterinnen: Susanne Kink, Sarah Zapusek

Laufzeit: November 2010 bis Juni 2012

Zum Weiterlesen:

- Kurzbericht (PDF)

- Projekthomepage

Durchführung einer Studie zu wissenschaftlichen Fachkulturen und ihren Auswirkungen auf Work-Life-Balance. Finanziert als strategisches Projekt durch das Präsidium der Universität. Volumen ca. 80.000€.

Mitarbeiterinnen: Susanne Kink, Melanie Goisauf, Sarah Zapusek

Laufzeit: November 2012 bis Dezember 2013

Zum Weiterlesen:

- Executive Summary (PDF)

- Vollständiger Forschungsbereiche der qualitativen Teilstudie (PDF)

- Homepage des Gesamtprojekts

Online-Angebot von ausgewählten Veröffentlichungen des Arbeitsbereichs Kultur- und Wissenssoziologie

Das folgende Informationsangebot enthält entweder Hinweise zu online veröffentlichten Texten des Arbeitsbereichs oder stellt ausgewählte Veröffentlichungen in Manuskriptfassung zum Download bereit.

Manche jüngeren Beiträge sind bereits aufgeführt und werden baldmöglichst zum Download freigeschaltet.

Hinweise:

• Bitte beachten Sie, dass sich Manuskriptfassungen im Zuge der Drucklegung minimal verändert haben können, so das wörtliche Zitate immer auf Grundlage der Druckfassung erfolgen sollten.

• Angaben für die Zitation des Gesamttextes finden Sie jeweils auf der Titelseite des Manuskripts.

Downloads und Links

Wissenschaftliche Veröffentlichungen zu den Themenfeldern:

• Techniksoziologie

• Wissenschafts- und Hochschulforschung

• Ingenieurberuf und Ingenieurkultur

• Frauen- und Geschlechterfroschung

• Ernährung, Körper und Nahrungsmittel

• Musik und auditive Kulturen

• Pressebeiträge und graue Literatur

Techniksoziologie

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2015, Handlung oder Person? Genderreflexive Gestaltung von Software. In: Gender und IT-Projekte. Neue Wege zu digitaler Teilhabe. Barke, Helena; Siegeris, Juliane; Freiheit, Jörn; Krefting, Dagmar, Hg. Opladen: B. Budrich. 45-60.

Paulitz, Tanja, 2014, Subjektivierung und soziale Praxis im Kontext des Web 2.0 – zur Einleitung. In: Subjektivierung 2.0. Machtverhältnisse digitaler Öffentlichkeiten. Paulitz, Tanja; Carstensen, Tanja, Hg. Wiesbaden: VS 2014 (Sonderheft 13, Österreichische Zeitschrift für Soziologie, Vol. 39, Iss. 1, Supplement)

Einleitung zum Buch:

Paulitz, Tanja, 2005, Netzsubjektivität/en. Konstruktionen von Vernetzung als Technologien des sozialen Selbst. Eine empirische Untersuchung in Modellprojekten der Informatik. Münster: Verlag Westfälisches Dampfboot.

Wissenschafts- und Hochschulforschung

Paulitz, Tanja; Goisauf, Melanie; Zapusek, Sarah, 2015, Work-Life-Balance + Wissenschaft = unvereinbar? Zur exkludierenden Vergeschlechtlichung einer entgrenzten Lebensform. In: Gender. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft. Heft 2. 134-148.

Paulitz, Tanja, 2015, Die 'feinen Unterschiede' der Geschlechter in Naturwissenschaft und Technik. Kultursoziologische Perspektiven auf rechnende Frauen. In: Krämer, Sybille, Hg., Ada Lovelace. Digitalisierung und die Rolle von Frauen. Paderborn: Fink. 115-127.

Paulitz, Tanja; Hey, Barbara; Kink, Susanne; Prietl, Bianca, 2015, Geschlechterforschung und akademische Wissenskulturen – zur Einleitung. In: Dies., Hg., Akademische Wissenskulturen und soziale Praxis. Geschlechterforschung zur natur-. technik- und geisteswissenschaftlichen Fächern. Münster: Westfälisches Dampfboot. 7-15.

Paulitz, Tanja; Kink, Susanne; Prietl, Bianca, 2015, Fachliche Distinktion und Geschlechterunterscheidung in Technik- und Naturwissenschaften. Grundlagen- und anwendungsorientierte Wissenskulturen im Vergleich. In: Paulitz, Tanja; Hey, Barbara; Kink, Susanne; Prietl, Bianca, Hg., Akademische Wissenskulturen und soziale Praxis. Münster: Westfälisches Dampfboot. 207-225.

Paulitz, Tanja, 2014, Fach und Geschlecht: neue Perspektiven auf technik- und naturwissenschaftliche Wissenskulturen. In: Zeising, Anja; Draude, Claude; Schelhowe, Heidi; Maaß, Susanne, Hg., Vielfalt der Informatik – Ein Beitrag zu Selbstverständnis und Außenwirkung. Staats- und Universitätsbibliothek Bremen (Open Access), 2014. 95-105.

Paulitz, Tanja, 2012, Geschlechter der Wissenschaft: Strukturen, Kulturen und Wissen. In: Maasen, Sabine u.a., Handbuch Wissenschaftssoziologie. Wiesbaden: VS. 163-175.

Paulitz, Tanja, 2012, „Hegemoniale Männlichkeiten“ als narrative Distinktionspraxis im Wissenschaftsspiel. Wissenschaftssoziologische Perspektiven auf historische technikwissenschaftliche Erzählungen. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 37. Jg., Heft 1. (Open Access)

Paulitz, Tanja, 2008, Technikwissenschaften. In: Becker, Ruth; Kortendiek, Beate, Hg., Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung. Theorie, Methoden, Empirie. Wisbaden: VS, 2. Aufl., 2008. 779-790.

Ingenieurberuf und Ingenieurkultur

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2016, Technikwissenschaftliche Business Masculinity als aufstrebender Ingenieurdiskurs. In: Gengnagel, Vincent; Hamann, Julian; Hirschfeld, Alexander; Maeße, Jens, Hg., Macht in Wissenschaft und Gesellschaft. Diskurs- und feldanalytische Perspektiven. Wiesbaden: VS Springer. 141-169.

Prietl, Bianca, 2016, Der Ingenieur als technisch kompetenter und sozial versierter Manager. Vergeschlechtliche Konturen eines Berufsbildes. In: Berliner Debatte Initial, 27. Jg., Heft 1. 58-69.

Paulitz, Tanja; Prietl, Bianca, 2015, Kontinuitäten und Brüche des nationalsozialistischen Technokraten. Geschlechtersoziologische Studien zum Ingenieurwesen der rationalisierten Moderne. In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 40. Jg., Heft 2. 209-226.

Paulitz, Tanja; Ziegler, Armin, 2015, Technik und Ingenieur – auf den Begriff gebracht" Zur Formierung eines 'männlichen' bürgerlichen Berufsfeldes. In: Paulitz, Tanja; Hey, Barbara; Kink, Susanne; Prietl, Bianca, Hg., Akademische Wissenskulturen und soziale Praxis. Münster: Westfälisches Dampfboot. 97-115.

Ziegler, Armin, 2015, Zur Politisierung des Ingenieurs. Begriffsgeschichtliche Betrachtungen aus geschlechterkritischer Perspektive. In: kuckuck. Notizen zur Alltagskultur 30/2. 18-22.

Paulitz, Tanja, 2014, Technik und Ingenieure im Anthropozän. Eine techniksoziologisch-genealogische Reflexion der Grundlagen. In: Bammé, Arno, Hg., Schöpfer der zweiten Natur. Der Mensch im Anthropozän. Marburg: Metropolis. 161-177.

Rezession zum Buch:

Paulitz, Tanja, 2012, Mann und Maschine. Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs und der modernen Technikwissenschaften, 1850-1930. Bielefeld: transcript. auf H-soz-u-Kult von Peter-Paul Bänziger.

Frauen- und Geschlechterforschung

Paulitz, Tanja; Kink, Susanne; Prietl, Bianca, 2016, Analytical Strategy for Dealing with Neutrality Claims and Implicit Masculinity Constructions. Methodological Challenges for Gender Studies in Science and Technology. In: Forum Qualitative Sozialforschung / Formun Qualitative Research, Vol. 17, No. 3, Art. 13.

Prietl, Bianca, 2016, Ambivalente Männlichkeitskonstruktionen von Vätern zwischen Erwerbsarbeit und Fürsorgearbeit. In: Gender – Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft, 8. Jg., Heft 1. 124-139.

Ernährung, Körper und Nahrungsmittel

Paulitz, Tanja; Winter, Martin, 2018, Ernährungs und vergeschlechtlichte Körper: Eine theoretische Skizze zur Koproduktion von Geschlecht, Embodying und biofaktischen Nahrungsmitteln. In: Open Gender Journal, 2. Zugleich in: Materialität/en und Geschlecht. Beiträge zur 6. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien e.V. Palm, K.; Jähnert, G.; Völker, S.; Grenz, S., Hg. Berlin.

Musik und auditive Kulturen

Winter, Martin, 2015, Männlichkeiten im Punkrock. Musikgenre als vergeschlechtliche boundary work. In: Reitsamer, R.; Liebsch, K., Hg., Musik. Gender. Differenz. Intersektionale Perspektiven auf musikkulturelle Felder und Aktivitäten. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Pressebeiträge und graue Literatur

Paulitz, Tanja, 2008, Maschinen konstruieren – Männlichkeit und Technik in der Moderne. In: Feministisches Institut Hamburg.

Lebensbilder von Frauen in Naturwissenschaft und Technik. Diskussionsrunde in der Österreichischen Forschungsfördergesellschaft (FFG) mit Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, Hochschulrektorin Ingela Bruner und Tanja Paulitz, 05.02.2008. Wien. 2-7.

Läuft alles, Frau Ingenieur? Tanja Paulitz im Gespräch mit der britischen Techniksoziologin Wendy Faulkner über Geschlechterrollen in einer Männerdomäne. In: Freitag – Die Ost-West-Wochenzeitung. Nr. 35 (2006). 17.

Veränderungen sind Sache der Politik. Tanja Paulitz im Gespräch mit der feministischen Techniksoziologin Wendy Wajcam über Technowissenschaften, Cyberfeminismus und globale Transformation von Arbeit. In: Freitag – Die Ost-West-Wochenzeitung. Nr. 51/52 (2005). 21.