Über den Tellerrand geschaut

Eine Exkursion von TUD Studierenden nach Usbekistan im SS 2019

04.07.2019

Im April 2019 reiste eine interdisziplinär zusammengesetzte Studierendengruppe, auf Initiative des Instituts für Soziologie, nach Usbekistan, einem Transformationsland in Zentralasien das derzeit einen atemberaubenden Strukturwandel erlebt.

Im April 2019 reiste eine interdisziplinär zusammengesetzte Studierendengruppe, auf Initiative des Instituts für Soziologie, nach Usbekistan, einem Transformationsland in Zentralasien das derzeit einen atemberaubenden Strukturwandel erlebt. Seit einem Regierungswechsel im Jahr 2016 öffnet sich Usbekistan gegenüber dem Westen und sucht Kontakte auf verschiedenen Ebenen, politisch, wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich. „Seit dem Regierungswechsel sind in Usbekistan die Fenster geöffnet, es gibt einen entschiedenen politischen Willen zur Reform“ sagte der deutsche Botschafter Günter Overfeld. Es ist wohl kein Zufall, dass Präsident Steinmeier Usbekistan mit einer großen Delegation im Mai 2019 besuchte.

In diesem interessanten, und spannendem Umfeld besuchte auch die TUD- Gruppe vier usbekische Universitäten in den Städten Tashkent, Buchara, Samarkand und wurde dort von den lokalen Partnern begeistert und gastfreundlich empfangen. Aufschlussreiche, inhaltlich differenzierte Diskussion gaben einen breiten Überblick über die Aspekte der politischen und sozialen Entwicklung im Land.

Die Idee einer Exkursion in ein zentralasiatisches Land entstand Ende des Jahres 2018 im Rahmen der Veranstaltungen von Sybille Jahn zum Thema „Neue Seidenstraße“. Während der Studienreise sollten die theoretisch erworbenen Kenntnisse mit einem Praxisaufenthalt in Zentralasien kontrastiert werden.

Thema der Exkursion war ein Vergleich des EU-Projektes TRACECA mit der milliardenschweren Initiative des „New Silk Road Project“ der Asiatischen Infrastrukturinvestment Bank AIIB. Beide Projekte haben zum Ziel die Straßen- und Eisenbahnverbindungen zwischen Europa, Zentralasien und China zu verbessern und den Waren-, Güter- und Personenaustausch in einer globalisierten Welt zu erleichtern. Beide Projekte verlaufen durch das Land Usbekistan, einem postsowjetischen Transformationsstaat mit islamischer Kultur.

In Usbekistan traf die deutsche Gruppe auf sehr großes Interesse von vier usbekischen Universitäten, Auslandskontakte mit einem intensiven Austausch zu knüpfen, was sowohl von der neuen Regierung des Landes als auch von deutscher Seite unterstützt wird.

In Taschkent bekam die TUD Gruppe in der Universität für Weltwirtschaft und Diplomatie, einer Elite-Institution Usbekistans, und in der Staatlichen Universität für Wirtschaft einen Einblick in die Verhältnisse und Studienbedingungen an zentralasiatischen Universitäten. Die Studierenden diskutierten mit ihren usbekischen KommilitonInnen, die zumeist gut deutsch sprechen, engagiert über deren Ansichten zum Exkursionsthema und zur Zukunft des Landes.

Der Besuch der lokalen Büros der KfW-Entwicklungsbank sowie der GIZ boten Gelegenheit mit landeskundigen Experten weitere Aspekte des Exkursionsthemas zu vertiefen.

Beim Empfang an der deutschen Botschaft hatte die TUD-Gruppe die Chance aus erster Hand eine Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung des Landes und der Region zu hören und die Perspektiven für eine zukünftige wissenschaftliche Zusammenarbeit zu erörtern, die aktuell sehr günstig sind.

Die Weiterreise nach Samarkand mit dem Zug, entlang der Seidenstraße, vermittelte einen Eindruck von der Realität des Infrastrukturzustandes der neuen Seidenstraße und ein nachhaltiges Erlebnis usbekischen Alltags. Der Empfang an der Universität Samarkand war wieder äußerst freundlich. Auch hier sind die usbekischen Wissenschaftler sehr an einem Austausch mit der TUD interessiert. Samarkand, eine Weltkulturerbe- Stadt mit architektonisch eindrucksvollen alten Moscheen und Medresen die vor Zeiten als Universitätsgebäude dienten, ermöglichte einen tiefen Einblick in die Historie des Landes und seine ehemalige Hochkultur. Wissenschaftlich-technisch ist das relativ gut erhaltene Observatorium des Universalgelehrten Ulug Beg – einem Vorläufer von Galileo Galilei – interessant. Die Algebra und der Algorithmus stammen aus dieser Weltregion

Die Weiterreise nach Buchara, wiederum mit dem Zug entlang der Seidenstraße, führte durch Wüstengebiete zu dieser Oasenstadt, die viele Vorstellungen der westlichen Besucher von einer Stadt aus 1001 Nacht erfüllt. Ein Treffen mit dem Präsidenten der lokalen Universität resultierte wiederum in dem Wunsch nach einer Kooperation mit der TUD. Die deutsche Sprache wird in Buchara aktiv an einer speziellen Schule unterrichtet, deren SchülerInnen für die Exkursionsgruppe ein Sing- und Tanzspiel in Deutsch vorbereitet haben, bei dem die TUD-Studierenden begeistert mitmachten. Ebenso angenehm überrascht wurde die Einladung in das Haus einer usbekischen Familie angenommen, die für die Gruppe eine schier unglaublich große Vielfalt an traditionellen lokalen und sehr köstlichen Speisen zubereitet hatte.

Der Inlandsflug mit Usbekistan Airlines führte zurück nach Taschkent; der letzte Abend vor dem Rückflug nach Deutschland wird zusammen mit den usbekischen Studierenden in Taschkent mit einem gemeinsamen Essen gefeiert. Die Übernachtung im Studentenwohnheim der Diplomatie-Universität UWED zeigt nochmals die Realität der lokalen Studienbedingungen. Dies bedeutet Unterbringung im 4 Bett-Zimmer, strenge Öffnungszeitenregelungen des Wohnheims (um 23.00 wird die Haustüre abgeschlossen), streng getrennte Flure für Frauen und Männer und korrekt formale Kleidung auf dem Universitätsgelände (keine Jeans, keine T-Shirts).

Über das offizielle wissenschaftliche Programm hinaus entstehen während dieser Exkursion persönliche Freundschaften zwischen deutschen und usbekischen Studierenden, die sich nun einen Gegenbesuch in Darmstadt wünschen.

Zum Thema der Exkursion, Vergleich des EU-Projektes TRACECA mit der milliardenschweren Initiative des „New Silk Road Project“ der Asiatischen Infrastrukturinvestment Bank AIIB, haben sich viele neue Aspekte ergeben die in den kommenden Monaten weiter analysiert und bearbeitet werden sollen.

Das große Engagement der usbekischen Universitäten mit der TUD zu kooperieren, das reiche kulturelle Erbe der Region, aber auch die herzliche und großzügige Gastfreundschaft im Lande hat bei allen Mitreisenden einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Der Blick über den Tellerrand war nach Aussage der Studierenden eine Reise in völlig unbekanntes Terrain, ein einmaliges Erlebnis und eine nicht zu vergessende Bereicherung ihrer Bildung.