Prof. Dr. phil. Rudi Schmiede

Mein Werdegang.

  • Geb. 1946 in Darmstadt; Abitur 1965 an der Georg Büchner-Schule;

  • Studium der Soziologie, Ökonomie, Politikwissenschaft und Philosophie in Frankfurt a. M., Mainz und London als Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes; Diplom in Soziologie 1972 an der Universität Frankfurt a. M.;

  • 1972 - 1987 Tätigkeit als wiss. Mitarbeiter, zuletzt als Heisenberg-Stipendiat am Institut für Sozialforschung, Frankfurt a. M.; empirische, historische und theoretische Studien über die verschiedenen Aspekte des Verhältnisses von Arbeit, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft (Fragen der Entwicklung von Arbeitsbedingungen, Arbeitsorganisation und Technik, der industriellen Beziehungen und Gewerkschaftstheorie, der Lohndynamik und Entlohnungsformen, Arbeitszeitprobleme, Arbeitsmarktentwicklung und Beschäftigungsstruktur);

  • Promotion 1977 mit einer Arbeit über die historische Entwicklung von Arbeitsorganisation und Leistungsentlohnung in der deutschen Industrie; Habilitation 1984 mit Studien zu Gewerkschaften und Lohndynamik;

  • Seit dem WS 1987/88 Professor für Soziologie an der TH Darmstadt.

  • 1986 - 1990 Sprecher der Sektion Industrie- und Betriebssoziologie in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie; seit 1986 Vorstandsmitglied des interdisziplinären Arbeitskreises Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung (SAMF);

  • An der THD von 1988 - 1994 Mitglied im St.A. IV (Bibliothekswesen), seit 1994 im St.A. III (Haushalt und Hochschulplanung); turnusmäßig Geschäftsführender Direktor des Instituts für Soziologie, 1992/93 Dekan des Fachbereichs 2; seit 1993 Sprecher der Professorengruppe DEMOKRATISCHE HOCHSCHULE und Mitglied im Konvent.

    Meine Lehre und Forschung

  • In der allgemeinen Soziologie lehre ich vor allem Theorien, Theoriegeschichte und die Analyse der Sozialstruktur der Bundesrepublik; ich versuche wo immer möglich, die Theorieentwicklung mit der realen historischen und sozialen Entwicklung zu konfrontieren, um beider enge Beziehung deutlich zu machen. Ich stehe hier in der Tradition einer kritischen Gesellschaftstheorie, die besonders an Fragen der sozialen Ungleichheit und der Gefährdung des Individuums durch gesellschaftliche Zwänge interessiert ist.

  • In meinem engeren Fachgebiet von Arbeit, Technik und Gesellschaft habe ich mich an der THD zunehmend den neuen Informationstechnologien zugewandt und beschäftige mich mit deren Genese, Entwicklung, Gestaltbarkeit und Folgen. Ich sehe darin einen in seinen Konsequenzen noch nicht absehbaren machtvollen Formalisierungsschub für die weltweite Gesellschaft, der den Hintergrund für Analysen der sog. Informationsgesellschaft bildet. Arbeit und Konsum werden dadurch nachhaltig verändert.

  • Da die realen Probleme der Gesellschaft sich nicht disziplinären Grenzziehungen unterordnen, halte ich auch nicht viel von ihrer strengen Einhaltung. Ich habe mich deswegen immer wieder in angrenzende Felder der Philosophie, Politikwissenschaft, Ökonomie, Betriebs- und Arbeitswissenschaften, Geschichte und Informatik hineinbewegt. Im übrigen folgt für mich daraus eine deutliche interdisziplinäre Orientierung - an einer Technischen Universität gerade auch mit Blick auf die Natur- und Technikwissenschaften.

  • Ich habe mich aus diesem Grund an der TH Darmstadt an Lehr- und Forschungsaktivitäten beteiligt, die - meist im Rahmen des Zentrums für interdisziplinäre Technikforschung (ZIT) - diesen Brückenschlag zum Gegenstand haben: Begleitforschungen zur Umstellung auf EDV-gestützte Bibliothekssysteme und zur Einführung der ISDN-Technik an der THD, die Beteiligung an Entwicklungsarbeiten eines Systems der formalen Begriffsanalyse (Toscana), die Mitarbeit an der Entwicklung eines interdisziplinären Nebenfachs "sozialorientierte Gestaltung von Informationstechnik" sowie an der Planervariante des neuen Wirtschaftsingenieurs im Bauwesen, schließlich TA-Forschung zur Einführung der "Chipkarten" im Gesundheitswesen bewegen sich im Grenzgebiet zwischen den überkommenen Disziplinen der Wissenschaften.

  • Zugleich liegt mir jedoch ebenso an einer praktischen Orientierung von Lehre und Forschung. So war die Mitarbeit im Bibliotheksausschuß und ist das anhaltende Engagement in diesem Bereich aktive Gestaltung eines wichtigen Teils der Infrastruktur der THD. Seit einigen Jahren leite ich (zusammen mit Prof. Henhapl vom Fachbereich 20) gemeinsame Praktika von Soziologie- und Informatikstudierenden, in denen eine konkrete Aufgabenstellung in fachübergreifender Zusammenarbeit zu bewältigen ist. Zur Zeit bin ich Betreuer eines Projekts im Lernzentrum des Fachbereichs 2, in dem die zersplitterten Praxisbezüge am Fachbereich zusammengetragen, gefördert und dann den Studierenden als Beratung und zur Beteiligung angeboten werden sollen; die Lehre soll dadurch stärkere Praxisbezüge erhalten. Eine Ausbildung von SoziologInnen in dem Schwerpunkt Personalwesen und Organisation, Technik und Gesellschaft muß m.E. diese konkreten Bezüge haben.

  • Ich möchte mich in der nächsten Zeit vor allem mit den gesellschaftlichen Dimensionen dieser Entwicklungen beschäftigen, wie sie unter Schlagworten wie denen von der "Wissens-" oder der "Informationsgesellschaft" diskutiert werden. Mich interessieren daran vor allem der grundlegende Strukturwandel der gesellschaftlichen Arbeit und Verschiebungen im Verhältnis von Arbeit und Nicht-Arbeit. Beide lassen Befürchungen in bezug auf eine weitere Entindividualisierung realistisch erscheinen. Entsprechende Forschungen sind in Vorbereitung.