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Graduiertenkolleg
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Alexander J. Unger, geboren 1975 in Bensheim. Von 1996 bis 2003 Studium der Allgemeinen Pädagogik, Sportwissenschaft und Philosophie an der Technischen Universität Darmstadt. Abschluss als Magister Artium mit der Magisterarbeit: Raum - Existenz - Gestaltung. Analyse und Gestaltung hybrider Lernumgebungen. In der Zeit von 1999-2002 Hilfskraft im Arbeitsbereich Bildung und Technik des Instituts für Allgemeine Pädagogik (Prof. Werner Sesink) TU Darmstadt. 2001 bis 2002 Mitarbeit im WiBA-Projekt. Entwicklung und Einsatz des empirischen Instruments Umgebungsanalyse. Von 2003 bis 2006 Stipendiat im Graduiertenkolleg Technisierung und Gesellschaft (TU Darmstadt) mit dem Dissertationsprojekt: Virtualisierung und Pädagogik. Seit 1.6.06 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für erziehungswissenschaftliche Medienforschung der Universität Magdeburg.
E-Mail: alexanderunger@gmx.de
[Zurück nach oben]Wer sich aktuell mit dem Bildungssystem und Fragen zum Thema des Lernens und der Bildung beschäftigt, kommt um eine Auseinandersetzung mit den Neuen Medien (NM) bzw. der IuK-Technologie (IuK-T) nicht herum: Die Einbindung der IuK-T in den institutionalisierten pädagogischen Bereich erscheint vor dem Hintergrund der Entstehung einer als Informations- und Wissensgesellschaft bezeichneten gesellschaftlichen Formation als obligatorisch. Auch für den Bildungsbereich zeichnet sich wie für andere gesellschaftliche Bereiche eine konkrete Tendenz zur Technologisierung resp. Virtualisierung ab, die vielfältige Fragen nach deren Bewertung und Gestaltung aufwirft.
Die Frage, ob die technologische Transformation einer bestehenden sozialen Praxis (hier des Lehrens und Lernens) zu einer reduktiven technischen Normierung führt, oder ob durch sie bzw. durch die Implementierung der IuK-T eine Bereicherung oder Erweiterung bestehender Sozial- und Kulturformen ermöglicht wird, stellt sich demnach nun auch für den institutionalisierten pädagogischen Raum. Aus der Perspektive der Sozialwissenschaften und insbesondere der Pädagogik, erfordert die Beantwortung dieser drängenden Frage die Auslotung möglicher erweiterter Freiheitsgrade bei der ‚bildenden’ Entfaltung des Individuums bzw. deren Beschneidung oder Verhinderung durch technologische Formierung.
Das Projekt ‚Pädagogik und Virtualisierung’ untersucht die durch ‚Technik’
evozierten Veränderungen vor dem Hintergrund der Forderung nach einer
neuen, stark technisch resp. medial geprägten Lernkultur (LK), sowie mit
diesem Prozess verknüpfte unterschiedliche kulturelle Entwicklungstendenzen.
Die besondere Brisanz dieser Entwicklung ergibt sich für die pädagogische
Disziplin aus dem Umstand, dass die Virtualisierung ‚ihres’ Praxisbereichs
nicht nur zu Transformationsprozessen mit nachhaltigen Konsequenzen führt,
sondern, dass diese auf der Basis des tradierten Selbstverständnis und
Begrifflichkeit nur bedingt erfasst und analysiert werden können. Mein
Projekt versucht ausgehend von einem Verständnis von Technik als Medium
das Verhältnis von Pädagogik und Technik neu zu skizzieren und dessen
Gestaltbarkeit unter technologischen Bedingungen auszuloten, um so einen
Beitrag zu einer möglichen ‚Neuorientierung’ zu liefern.
Im Rahmen der Untersuchung werden drei unterschiedliche Ebenen der Technologisierung/Virtualisierung
als Herausforderung für die Pädagogik in den Blick genommen:
Die Auswirkungen der zunehmenden Technologisierung/Virtualisierung auf
das disziplinäre Selbstverständnis und die begriffliche Semantik der Pädagogik.
Die Auswirkungen der Technologisierung/Virtualisierung auf den institutionalisierten
pädagogischen Raum resp. das Bildungssystem.
Die Auswirkungen der Technologisierung/Virtualisierung auf die Form und
den Charakter institutionalisierter pädagogischer Praxis.
Ausblick
In Hinblick auf die Weiterentwicklung der LK, für die sich zwei ‚kulturelle Tendenzen’ abzeichnen, zeigt meine Untersuchung die Notwendigkeit auf das Verhältnis von Bildung und Technik als relationales zu bestimmen und zu gestalten. Dies erfordert einerseits Technik im Sinne eines ‚Rahmens’ als möglichen Hintergrund für bildende Räume und Prozesse anzuerkennen, sowie andererseits das Bildungsverständnis in Richtung einer technisch evozierten Form von ‚produktiver Unbestimmtheit’ zu erweitern. Eine solche erweiterte und relationale Bestimmung könnte einen möglichen Ansatzpunkt anbieten, über den sich Pädagogik verstärkt in die (bildungspolitische) Diskussion über die Entwicklung der Lernkultur einbringen und diese mitgestalten könnte.