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Graduiertenkolleg
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*1976 in Weißenfels. Beginn des Studiums der Erziehungswissenschaften
1994 an der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg, während des Studiums Mitarbeit in zwei Forschungsprojekten:
50 Jahre Pädagogische Fakultät und Geschichte erzählen – Zeitzeugen
über die Vorsemester und Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten, ab 1997
studentische Hilfskraft.
Abschluss im Mai 2000 mit einer Doppeldiplomarbeit zum Thema: „Zum
Bildungskonzept der Vorstudieneinrichtungen und ihrer Nachfolgeinstitutionen
in Deutschland 1945-1952“, anschließend einjährige Tätigkeit als
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut
für Hochschulforschung e.V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg,
Forschungsprojekt: „DDR-Geschichte an deutschen Hochschulen“.
Von April 2003 – Juni 2007 Stipendiatin des Graduiertenkollegs "Technisierung
und Gesellschaft" der TU-Darmstadt.
E-Mail: katja.stoetzer@gmx.de
[Zurück nach oben]Studentisches Wohnen ist von Gegensätzen geprägt: Während schrumpfende
Städte wie Leipzig Studenten Stuckdecken und großzügigen Wohnraum versprechen
mit dem Werbeslogan „Schöner
wohnen mit BAföG“, werden für Städte wie Amsterdam serielle
Kleinstwohnungen auf Containerbasis entwickelt, die auf wenigen
qm modernen Wohnkomfort funktional umzusetzen versuchen. In den biographischen
Umbruchsituationen des Studienbeginns oder -Abschlusses lassen sich
räumliche Phänomene gut studieren.
Die sozialwissenschaftliche Theorie hat mit der Neufassung des Begriffs
vom Raum als „relationale (An)Ordnung sozialer Güter und Menschen (Lebewesen)
an Orten“ (Löw) ein Analysekriterium geschaffen, das zuvor partikulare
Einzelphänomene zusammenhängend erklären kann. Aufbauend auf diesem
Raumbegriff analysiere ich die Konstitution von Räumen im studentischen
Milieu. Zentrale Fragen richten sich dabei auf die Prozesse der
Raumkonstitution vor dem Hintergrund der jeweils eigenen Biographie,
auf wechselseitige Bezugnahmen von Raum- und Biographieproduktion,
ferner, welchen Einfluss Differenzierungsmerkmale wie Habitus, Gender
und Technik auf die Konstitution von Raum haben. Die Arbeit berührt
dabei neben Fragen der Auswirkung der technischen Infrastruktur auf
die Konstitution von (Wohn)räumen auch die gestalterischen Handlungsmöglichkeiten,
die in Abhängigkeit vom materiellen Artefakt „Gebäude“ bestehen und
zur Inszenierung von Individualität auch bei serieller (An)Ordnung von
Wohnungen (z.B. Studentenwohnheime) genutzt werden können.
Der Analyse von Raumkonstitution und Inszenierung mit sprachlich-narrativen
Methoden sind Grenzen gesetzt – ihre Wirkung erzielen räumliche Arrangements
vordergründig durch ihre visuelle Komponente. Empirisch umgesetzt
wird das im Forschungsvorhaben durch eine Kombination von visuellen
und sprachlich-narrativen Erhebungs- und Auswertungsmethoden: „Photointerviews
als synchrone Erhebung von Bildmaterial und Text“ (Stoetzer 2004)
bringen die subjektiv-biographische Ebene („Text“) mit einer visuell
arbeitenden Photobefragung zusammen. Die Befragten photographieren
ihre Wohnung, die Photos werden vor Ort ausgedruckt und als Stimulus
für ein narratives Interview verwendet (Bsp.).
Ergänzt wird die visuelle Perspektive der Befragten durch Panoramaphotos,
die mit einer Spezialoptik aufgenommen werden. Die virtuelle Rekonstruktion
ermöglicht auch das, was durch die Aufnahmen der Befragten nicht
abgebildet wurde, zu berücksichtigen (Bsp.).
Eine weitere methodische Neuentwicklung stellt das verwendete Bildinterpretationsverfahren
dar. Ansätze zur Bildinterpretation stammen bisher aus angrenzenden
Disziplinen, vor allem den Kunst- und Kulturwissenschaften, und sind
nur bedingt übertragbar. Aufbauend auf dem Interpretationsmodell von
Erwin Panofsky und Analyseschritten der Filminterpretation von Kristin
Thompson und David Bordwell wird ein vierstufiges Modell entwickelt,
das sich für Bild- und Photoanalysen in erziehungswissenschaftlichen
und soziologischen Projekten verwenden lässt, die vierdimensionale
Photoanalyse, 4dpa (Stoetzer/Marotzki im Erscheinen).
Erste Ergebnisse weisen empirisch nach, dass Raumvorstellungen der untersuchten
Studierendengruppe relationalen Gesichtspunkten folgen – was die in
der Fachliteratur diskutierte These, dass ein absolutistisches (euklidisches)
Raumverständnis über Bildungs- und Sozialisationsprozesse als zentrales
Denkmuster vermittelt wird, deutlich einschränkt und die Frage aufwirft,
inwiefern gesellschaftliche Transformationen der letzten Jahrzehnte
(Globalisierung, neue Medien, relationale Datennetze als Alltagserfahrung)
auch räumliche Ordnungsmuster und ihre Tradierung modifiziert haben.