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Graduiertenkolleg
Technisierung und Gesellschaft

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Norbert Stieniczka
Kurzvita:
* 1968 in Frankfurt/M. Wirtschaftsingenieurstudium (Maschinenbau) an der TH Darmstadt 1988-90. Studium der Neueren Geschichte, Wirtschaftswissenschaften und Maschinenbau an der TH Darmstadt 1990-97. Studienaufenthalt an der University of Sussex 1992/93. Magister Artium (TH Darmstadt) 1997. 1998-2000 Stipendiat am Graduiertenkolleg "Technisierung und Gesellschaft" der TU Darmstadt. Abgabe der Dissertation im Mai 2002.
E-Mail: stieniczkama@aol.com, stieniczkama@aol.com

Beschreibung der Dissertation:

Die soziale Konstruktion automobiler Sicherheitstechnik in der Bundesrepublik Deutschland

In dieser Dissertation, werden die Veränderungen einer etablierten Technik im Kontext der öffentlichen Diskussion über die an sie zu stellenden Erwartungen am Beispiel des Automobils untersucht. Die Richtung, welche Technikentwicklung nimmt, wird dabei als Resultat eines sozialen Aushandlungsprozesses verstanden, der von kulturellen Prägungen beeinflusst wird, die zum Teil aus der Aneignung der bereits bestehenden Technik resultieren.
Die Bedürfnisse der Oberschicht als einzig relevanter Konsumentengruppe bedingten, dass sich bis zur Jahrhundertwende die als Statussymbol und Sportgerät taugliche Rennreiselimousine als Dispositiv der Automobilentwicklung herausbildete, welches als kulturelles Muster bis heute wirksam ist. Zur Bewältigung der resultierenden Gefahren setzte man in erster Linie auf Verkehrserziehung. Der Mensch schien in der Lage, die Maschine sicher zu beherrschen. Nach dem zweiten Weltkrieg gewann der private PKW als Freiheitssymbol noch größere Bedeutung, weil er der doppelten Abgrenzung der bundesrepublikanischen Gesellschaft sowohl gegen die nationalsozialistische Vergangenheit als auch gegen die sozialistische Gegenwart im anderen Teilstaat diente. In diesem Kontext war es nicht möglich, die automobile Freiheit zur Reduzierung der Verkehrsopferzahlen einzuschränken, als diese mit steigenden Zulassungszahlen rapide anstiegen. Aus dem Bewusstsein, dass der Mensch die sichere Beherrschung des Fahrzeuges nicht gewährleisten konnte, resultierte eine gesteigerte Anforderung an die Technik. Die Öffentlichkeit verlangte vom Automobil, dass es seine Insassen vor den Folgen der nun als unvermeidbar akzeptierten Unfälle schütze. Die Automobilfirmen reagierten zunächst zögerlich auf die Forderung nach passiver Sicherheit, weil sie die erhöhten Kosten fürchteten, doch dann zeigte sich, dass Sicherheit sich gut verkaufen lässt. Mit der Entwicklung passiver Sicherheitstechnik gelang es, die Verkehrsopferzahlen zu senken und dennoch am Dispositiv der Rennreiselimousine festzuhalten. Die Technisierung der Verkehrssicherheit diente dem Erhalt eines traditionellen kulturellen Musters vom Umgang mit der Technik.

Aufsätze:

Rezensionen: