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Am Beispiel der Transplantationsmedizin als einer biotechnologisch fundierten, medizinischen Therapie beleuchtet die Arbeit das Verhältnis von Mensch und Maschine in der modernen Medizin. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass das Verhältnis zwischen medizinischer Technologie und dem menschlichen Körper widersprüchlich erscheint: Einerseits erscheinen die Möglichkeiten moderner Medizin als grenzenlos, das Verhältnis medizinischer Technologie zum menschlichen Körper als eines der Verfügung. Anderseits scheinen auch gerade die biomedizinischen Technologien ihre Grenze in der Leiblichkeit des Menschen zu finden. Die Arbeit stellt die Frage, wie es zu dieser widersprüchlichen Erschei-nung kommt und welche Bedeutung sie für die Selbstdeutungen des modernen Menschen in der tech-nischen Zivilisation besitzt. Methodisch versteht sich die Arbeit als Versuch einer kritischen Anthropologie.
Im ersten diskurs- und wissensanalytischen Teil der Arbeit werden zunächst die historischen und theoretischen Voraussetzungen der Transplantationsmedizin untersucht. Durch die Historisierung und Kontextualisierung der Transplantationsmedizin, das heißt, durch ihre Verortung in einem historisch-konkreten, sozialen Ereignisraum werden im ersten Kapitel ihre Universalitäts- und Wahrheitsansprüche dekonstruiert. Die Vorstellung der Verfügbarkeit des Körpers durch medizinische Technologie erweist dann als ein Produkt der sozialen und medizinischen Verhältnisse des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Im zweiten Kapitel werden die Maschinenbilder in der Medizin auf ihren metaphorischen Gehalt hin untersucht. Dabei erweisen sich Maschinenmodelle in ihren wechselnde Bedeutungen – von der mechanischen Maschine über die transklassische zur autopoietischen Maschine – als semantische Schlüsselkategorien
medizinischer Forschung und Anwendung. Für die Transplantationsmedizin am Ende des 20. Jahrhunderts zeigt sich, dass die Versinnbildlichung des Körpers als kybernetische oder autopoietische Maschine bereits auf der semantischen Ebene eine Grenzüberschreitung zwischen Körper und Technik nahe legt. Diese Metaphorik erweist sich selbst dann noch als wirkmächtige Konstruktion individueller und sozialer Körpervorstellungen, wenn sie sich in der medizinischen Praxis als unangemessen erweist – was im zweiten Teil der Arbeit untersucht wird.
Der zweite gesellschaftsanalytische Teil der Arbeit konfrontiert die diskursiven Erscheinungen der Transplantationsmedizin mit den Erfahrungen der sozialen Akteure im medizinischen Alltag (Transplantierte und ihre Angehörigen, Angehörige von Hirntoten
, Lebendspender
sowie medizinisches und pflegerisches Personal.) Die (Selbst-) Beschreibungen der von Technisierung (Kap.3), Tod (Kap.4) und Körperlichkeit (Kap.5) betroffenen Akteure erweisen sich dabei als vielschichtig und gegensätzlich, individuell, sozial und kulturell verschieden. Trotz der Dominanz medizinischen Wissens auch in alltagsweltlichen Bildern von Körper und Technik zeigt sich, dass sich Vorstellungen der Verfügbarkeit und Grenzenlosigkeit keineswegs ungebrochen umsetzen. Für die betroffenen Akteure wie für den wissenschaftlichen Blick spielt hier das Leiden der Individuen an der Technisierung eine zentrale Rolle als Indikator für die Grenzen der Medizin.
Im letzten begriffsanalytischen Teil der Arbeit werden Kategorien diskutiert, die den widersprüchlichen Deutungen des Körper-Technik-Verhältnisses der biotechnologischen Medizin Rechnung tragen. Dabei geht es darum, die Spannung zwischen den Möglichkeiten und Grenzen medizinischer Technologie begrifflich aufzugreifen und eine Terminologie zu diskutieren, die sowohl die soziale Konstruiertheit medizinisch-technischer Fakten aufzeigt als auch ihre wirkmächtige Dominanz kritisch hinterfragt. In Anlehnung an Michel Foucault wird Technik hier als technologisches Dispositiv herausgearbeitet und zur widersprüchlichen Erscheinung menschlicher Existenz in Beziehung gesetzt, die in Anlehnung an Elisabeth List bzw. Helmuth Plessner als technische Exzentrizität verstanden wird. Damit wendet sich die Kritik sowohl gegen den dominanten biomedizinischen Diskurs als auch gegen neuere Naturwissenschafts- und Technikforschungen, die – aus je unterschiedlichen Motiven – die Möglichkeiten biomedizinischer Technologie als grenzenlos erscheinen lassen.
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