![]() |
Graduiertenkolleg
|
![]() |
1980 in Eeklo, Belgien, geboren. 1998-2002 Studium der Moralwissenschaft an der Universität Gent, Belgien. 2000-2001 Auslandsstudium an der Yliopiston Helsingin, Finnland. Juli 2002 Abschluss des Studiums, Thema der Diplomarbeit: Der Platz und Raum von Strassenkindern in der Belgischen Gesellschaft und im besonderen in Antwerpen. Seit November 2002 Promovandin am Fachbereich 2 der TU Darmstadt. Seit Oktober 2003 assoziiertes Mitglied des Graduiertenkollegs "Technik und Gesellschaft" an der TU Darmstadt.
E-Mail: do_gillebeert@gmx.net
[Zurück nach oben]In einem Zeitalter, in dem die neuen Medien so präsent und vielfältig sind, wundert es nicht Wenige, dass der Kinderbuchmarkt noch immer wächst und dass das Kinderbuch immer noch ein wichtiger Begleiter der Kindheit ist. Viele Studien in den Literaturwissenschaften und der Pädagogik werden über die Kinderliteratur durchgeführt, den ethischen und moralischen Themen in den Kinderbüchern wurde aber noch fast keine Untersuchung gewidmet. Dabei verstehe ich unter ethischen und moralischen Themen solche, die eine Antwort formulieren auf Fragen nach dem, was wertvoll ist, was wir tun sollen und warum das so ist; wie auch Werte und Normen, die das menschliche Handeln und Sein als Ganzes betrachten; und schließlich Ideale, die das menschliche Handeln steuern.
Es ist interessant und spannend, diese Themen zum Forschungsobjekt einer Studie zu machen. Ausserdem stellt es eine hoffentlich fruchtbare Herausforderung dar, diese Themen aus einem nicht-traditionellen Forschungsbereich für Kinderliteratur, nämlich den Moralwissenschaften, heraus zu erforschen. Die Methode des Philosophierens mit Kindern verspricht allerdings erfrischende und neue Ergebnisse, da sie den Kindern selber das Wort gibt und die Kinder nicht länger als Objekt, sondern als Subjekt in die Untersuchung aufnimmt.
Bei meinem Dissertationsprojekt verfolge ich die Absicht, mich meinem Thema von zwei Seiten her zu nähern: Zum einen zielt meine Untersuchung darauf zu klären, welche ethischen Themen in einer repräsentativen Auswahl von neueren Kinderbüchern (Kinderbücher, die seit 1985 erschienen; ich setze also an dem Formen- und Themenwechsel der achtziger Jahre durch die sogenannte neuere Kinderliteratur der sechziger Jahren an) wiederkehren; in welcher Form und in welchem Kontext ethische Themen Einlass finden; und zuletzt welche pädagogischen und moralphilosophischen Konsequenzen für die Adressaten und die gesellschaftlichen Belange sich daraus ergeben.
Auf der anderen Seite will ich mittels einer quantitativen und qualitativen moralwissenschaftlichen Untersuchung herausfinden, was Kinder selbst im Zusammenhang der Lektüre ihrer Bücher über ihre Leseerfahrung und die vorgefundenen ethischen und moralischen Themen denken. Dazu habe ich verschiedene Hypothesen formuliert. Insbesondere gilt meine Aufmerksamkeit der Frage, wie weit Kinder in der Lage sind, sich den in pädagogischer Absicht verfassten Büchern zu entziehen, inwieweit sie das Lesen gerade als einen von pädagogischen Intentionen entlasteten Frei- und Spielraum zu nutzen verstehen, der einfach dem Zweck ihrer Unterhaltung dient. Um die hier gesetzten Ziele zu erreichen, werde ich unter anderem Fragebögen auswerten und philosophische Gespräche mit Kindern führen.