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Graduiertenkolleg
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Beschreibung des Promotionsprojekts:
Zukunft von Arbeit im informatisierten Finanzdienstleistungsunternehmen
Der deutsche Finanzsektor ist derzeit Schauplatz weitreichender Restrukturierungen.
Der Rationalisierungsdruck im angeblich zu unproduktiven Privatkundengeschäft
ist stark gewachsen. Gleichzeitig werden durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien,
nicht zuletzt das Internet als Vertriebsweg, Alternativen zur traditionellen
Arbeitsorganisation der kundenbezogenen- und Back-Office-Tätigkeiten
sichtbar. In meinem Projekt argumentiere ich, dass deutsche Banken und
Versicherungen ein Konzept der flexibilisierten Bürokratie anstreben.
Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass Reflexivität und Dispositionsmöglichkeiten
auf der lokalen Ebene durch weiter verstärkte Formalisierung des Arbeitsprozesses
nicht nur begleitet, sondern auch unterstützt werden. Unternehmen
streben damit eine komplexe Kombination lokaler Selbstregulierung und zentraler
Steuerungsmöglichkeiten an. Dies hat gravierende Auswirkungen auf
die traditionell hochqualifizierten Bank- und Versicherungsangestellten,
denn Qualität und Flexibilität der Dienstleistungen hängen
immer stärker an der Integration ihrer Tätigkeiten in komplexe
Organisationskonzepte und weniger an ihren Erfahrungen und fachlichen Kompetenzen.
Unter anderem der Verlust personaler Dienstleistungsbeziehungen (Gutek)
rechtfertigt die Rede von einem Rückschritt bezüglich der Arbeitsformen
in diesem Bereich, obwohl die Komplexität der Tätigkeiten hoch
bleibt.
In dieser Studie wird die Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologie
zweifach relativiert, indem sie einmal als Teil eines übergreifenden
Prozesses der Ausweitung von Kontrolle durch Etablierung von Informationssystemen,
sowie andererseits als nur einer von mehreren Aspekten sozialer Wandlungsprozesse
begriffen wird. Wichtig ist aber, dass das detaillierte Studium der Anwendung
von Informations- und Kommunikationstechnologie im Arbeitsprozess Einsichten
über das Ineinandergreifen von Formalisierung und Reflexivität
verspricht.
Die Studie stützt sich auf vier Fallstudien in sehr unterschiedlichen
Finanzunternehmen, Experteninterviews sind dabei das wesentliche Forschungsinstrument.