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Graduiertenkolleg
Technisierung und Gesellschaft

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Carsten Dose
Kurzvita:
*1967. Studium der Soziologie in Frankfurt/Main mit dem Schwerpunkt Industrie- und Techniksoziologie. Diplom 1997. 1996/97 Mitarbeit am DFG-Projekt "Innovationsmuster in der Softwareindustrie" am Institut für Sozialforschung, Frankfurt/Main. Seit Januar 1998 Stipendiat. Im Frühjahr 1999 Forschungsaufenthalt als DAAD-Stipendiat am Reserach Centre for Social Science an der University of Edinburgh, Schottland. Seit 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Wissenschaftsrates in Köln.
E-Mail: carsten.dose@web.de

Beschreibung des Promotionsprojekts:

Zukunft von Arbeit im informatisierten Finanzdienstleistungsunternehmen

Der deutsche Finanzsektor ist derzeit Schauplatz weitreichender Restrukturierungen. Der Rationalisierungsdruck im angeblich zu unproduktiven Privatkundengeschäft ist stark gewachsen. Gleichzeitig werden durch neue Informations- und Kommunikationstechnologien, nicht zuletzt das Internet als Vertriebsweg, Alternativen zur traditionellen Arbeitsorganisation der kundenbezogenen- und Back-Office-Tätigkeiten sichtbar. In meinem Projekt argumentiere ich, dass deutsche Banken und Versicherungen ein Konzept der flexibilisierten Bürokratie anstreben. Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass Reflexivität und Dispositionsmöglichkeiten auf der lokalen Ebene durch weiter verstärkte Formalisierung des Arbeitsprozesses nicht nur begleitet, sondern auch unterstützt werden. Unternehmen streben damit eine komplexe Kombination lokaler Selbstregulierung und zentraler Steuerungsmöglichkeiten an. Dies hat gravierende Auswirkungen auf die traditionell hochqualifizierten Bank- und Versicherungsangestellten, denn Qualität und Flexibilität der Dienstleistungen hängen immer stärker an der Integration ihrer Tätigkeiten in komplexe Organisationskonzepte und weniger an ihren Erfahrungen und fachlichen Kompetenzen. Unter anderem der Verlust personaler Dienstleistungsbeziehungen (Gutek) rechtfertigt die Rede von einem Rückschritt bezüglich der Arbeitsformen in diesem Bereich, obwohl die Komplexität der Tätigkeiten hoch bleibt.
In dieser Studie wird die Bedeutung von Informations- und Kommunikationstechnologie zweifach relativiert, indem sie einmal als Teil eines übergreifenden Prozesses der Ausweitung von Kontrolle durch Etablierung von Informationssystemen, sowie andererseits als nur einer von mehreren Aspekten sozialer Wandlungsprozesse begriffen wird. Wichtig ist aber, dass das detaillierte Studium der Anwendung von Informations- und Kommunikationstechnologie im Arbeitsprozess Einsichten über das Ineinandergreifen von Formalisierung und Reflexivität verspricht.
Die Studie stützt sich auf vier Fallstudien in sehr unterschiedlichen Finanzunternehmen, Experteninterviews sind dabei das wesentliche Forschungsinstrument.