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Graduiertenkolleg
Technisierung und Gesellschaft

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Andreas Wiesner-Steiner
Kurzvita:
*1964. Ausbildung zum Großhandelskaufmann mit IHK-Prüfung 1984. Studium der Soziologie und Wirtschaftswissenschaften von 1990 bis 1996 in Bremen und Boston/USA. Studienschwerpunkte u.a. Individualisierungstheorien, Risikosoziologie, soziologische Wissenschaftsforschung. Diplomarbeit 1996: "Risiko und Wissenschaft oder: Das Risiko der Wissenschaft". Seit Januar 1998 Stipendiat des Graduiertenkollegs.
E-Mail: wiesner-steiner@artec.uni-bremen.de

Beschreibung des Promotionsprojekts:

Die Hybridisierung des Menschen?
Eine wissenschaftssoziologische Studie der Humangenomforschung jenseits von Natur und Kultur

Die vorliegende Arbeit stellt den Versuch dar, eine Epistemologie der Humangenomforschung auf der Basis von Bruno Latours Theorie des Hybriden zu entwickeln. Bruno Latour hat es bislang konsequent vermieden, sein ambitioniertes Programm an aktuellen, gleichermaßen wissenschaftlich und gesellschaftlich kontroversen Entwicklungen zu erproben. Gleichzeitig ist auffallend, daß es in der Wissenschaftsforschung eine systematische Analyse der Begriffe, die sich um Latours Hybridkonzept ranken, bisher nicht gegeben hat. Beides will ich mit meiner Arbeit nachholen. Aufgrund ihrer intensiven und schnell wachsenden Verstrickung mit der modernen Wissensgesellschaft, sowie aufgrund des mächtigen Versprechens, gleichzeitig das biologische Geheimnis unserer Körpernatur zu entdecken und technologisch zu verbessern, erscheint mir die Genomforschung dafür besonders geeignet.
Ziel des weltweit operierenden big science-Netzwerkes der Genomforschung ist es, anhand des Lesbar-Machens des menschlichen Genoms die molekularbiologische Natur des Menschen besser zu verstehen. Eng mit diesem Ziel verbunden sind biowissenschaftliche, medizinische und gesellschaftliche Erwartungen unterschiedlichster Art. Die Ausgangsvermutung meiner Arbeit besagt, daß es im Human Genom Projekt jedoch nicht um die Entzifferung einer natürlichen, vorgängig existierenden, unveränderlichen Schlüsselessenz des Lebens, sondern um die material-diskursiv ebenso wie medizinisch-gesellschaftlich konsequenzenreiche Co-Produktion eines historisch-spezifischen Genoms durch menschliche und nichtmenschliche Phänomene geht. Indem ich die von Latour und anderen entwickelten Fassungen des Hybriden insbesondere mit Blick auf das Problem einer Differenz zwischen menschlicher und materialer �Autorenschaft" (agency) kritisch diskutiere und auf die experimentelle Praxis der Genomforschung beziehe, frage ich nach der spezifischen Qualität und Reichweite, die molekularbiologische Hybridphänomene zum gegenwärtigen Zeitpunkt für den Menschen entfalten können.