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Graduiertenkolleg
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*23.5.1971, Landau/Pfalz, Studium der Neueren Geschichte und Philosophie in Tübingen (1993-1995), Stipendiat an der State University of New York at Stony Brook, NY (1995-1996); Masters of Arts (1997), Hauptstudium in Tübingen (1997-2001), Magisterarbeit: "Technik und Krieg. Der Verein Deutscher Ingenieure und die Erfahrung des Zweiten Weltkrieges" (2001); Praktika: Militärgeschichtliches Forschungsamt Potsdam (2001), Jüdisches Museum Berlin (2001, Museum und Gedenkstätte Sachsenhausen (2003), seit April 2003 Graduiertenkolleg "Technisierung und Gesellschaft" Darmstadt, Betreuer Prof. Mikael Hard, Prof. Hartmut Berghoff. Stipendiat am Graduiertenkolleg (2003-2006).
Zur Zeit am Deutschen Museum: Knowledge-production and Innovation at the Nanoscale. Instruments, Images and Visions in the Practice of Nanotechnology
E-Mail: kehrt@gk-fb2.tu-darmstadt.de
[Zurück nach oben]Ziel meiner Arbeit ist es, die Technisierung des Kriegsalltags deutscher Militärpiloten auf einer breiten Quellenbasis – Erfahrungsberichte, Denkschriften, Tagebücher, Interviews, Fotos, Zeitschriftenaufsätze, amtliche Schriftwechsel – für den Zeitraum 1910-1970 zu untersuchen. Der kulturtheoretische Zugang legt den Schwerpunkt auf die Handlungsebene mit der Frage nach den Motiven und Sinnressourcen, die dem Piloten zur Beschreibung seiner technisierten Gewalterfahrung zur Verfügung standen. Technisierung verstehe ich in diesem Kontext als einen kulturabhängigen, praxisorientierten, konfliktreichen, rekursiven und arbeitsteiligen Prozess, in dessen Zentrum der Pilot als Akteur steht. Der identitätsbildende Einfluss militärischer Traditionen, Männlichkeitsvorstellungen und Hierarchien auf das Technikverständnis der Militärpiloten soll näher untersucht und der enge Nexus zwischen psychologischen, physiologischen und technischen Faktoren als handlungsstrukturierendes Moment herausgearbeitet werden.
Mit der Frage nach der Technisierung des Gewalthandelns wird der Pilot an der Schnittstelle verschiedener handlungsbestimmender Felder und Netzwerke verortet. Relevant sind hierbei exemplarische Entwicklungen in den Konstruktionsbüros der Flugzeugindustrie sowie Forschungsarbeiten der Luftfahrtmedizin und flugtechnischen Erprobungsstellen der Luftwaffe. Der Militärpilot ist aber nicht nur Objekt der Technisierung, sondern ein wichtiges Bindeglied, dessen Erfahrungen zur Verbesserung der Flugtechnik und Revolutionierung der Kriegswahrnehmung beitrugen. Im Rahmen des unmittelbaren Kriegseinsatzes ist der Blick auf die handlungsermöglichende, sozio-technische Infrastruktur zu richten, vor allem die Flughäfen an der Front sowie die Techniker und Mannschaften am Boden. Die im Kriegsalltag auftretenden Friktionen, Unfälle und Grenzen der Technik ermöglichen eine wirklichkeitsbezogene Darstellung und eröffnen eine Vergleichsebene zu den öffentlich transportierten Bildern von Krieg und Technik.
Die Längsschnittstudie erlaubt es, die rasanten Entwicklungen der Luftfahrttechnik sowie die erfahrungsbildende Dynamik zweier Weltkriege in ihrem Einfluss auf den Kriegsalltag zu betrachten und nach den Kontinuitätslinien und Brüchen im Wechsel der verschiedenen politischen Systeme zu fragen. Gerade im diachronen Vergleich lässt sich die Abhängigkeit der Technikerfahrung von kulturellen Deutungsmustern, die Erweiterung der körperlichen Belastungsgrenzen und Hybridisierung der Mensch-Maschine Schnittstelle sowie die Virtualisierung des Fliegens in technisierten Räumen der Gewalt als Leitlinien für die Frage nach der Technisierung des Kriegsalltages deutscher Militärpiloten herausarbeiten.
Schneid, Takt und gute Nerven. Der Habitus deutscher Militärpiloten und Beobachter im Kontext technisch strukturierter Handlungszusammenhänge, 1914-1918, in: Technikgeschichte, Bd. 72, 2005 H 3, 177-201.
Chauffeur oder Airman? Pilotenbilder und Technikerfahrung, 1908 bis 1914Themenheft Forschung Flugverkehr, 2005 TU Darmstadt.
Zum Technikdiskurs im Zweiten Weltkrieg. Der Verein Deutscher Ingenieure 1939-1945, Militär Geschichtliche Zeitschrift 62/2002.
Heroes and Knights. On the Mythology of Aeroplanes and Pilots.Panel: Stories of Magic and Momentum. Myths in the history of science, technology and the environment. Annual meeting of the society for the history of technology (Shot), Minneapolis, 3-6-November, 2005.
Panel: Aesthetic Dimensions of Warfare. Technisierung/Ästhetisierung. Technological and Aesthetic (Trans)Formations of Society, Abschlusstagung des Graduiertenkollegs Technisierung und Gesellschaft, 12-14.10.2005A horribly beautiful picture.Aerial warfare as technological sublime?
Schneid, Takt und gute Nerven.Der Habitus deutscher Militärpiloten und Beobachter im Kontext technisch strukturierter Handlungszusammenhänge, 1914-1918, GTG Jahrestagung - Technik und Krieg 5.-8.5.2005, Berlin.
Das Fliegen ist immer noch ein gewagtes Spiel.Risiko und Kontrolle der Flugzeugtechnik, 1908-1918, Tagung Steuerung und Störung. Konstellationen von Technik, Spiel und Risiko. Interdisziplinäre Tagung des SFB 447 Kulturen des Performativen, 17.-19.2.2005
Moderne Krieger.Projektpräsentation im Rahmen des Doktorandenforums des 45. Historikertags in Kiel, 14.-17.9.2005.
Moderne Krieger. Die Technisierung des Kriegsalltags deutscher Militärpiloten, Kolloquium Prof. Hartmut Berghoff, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni Göttingen, 31.1.2003
Der Kriegsalltag deutscher Militärpiloten im Ersten Weltkrieg, 86. Jahrestagung der Gesellschaft für die Geschichte der Medizin, Naturwissenschaften und Technik in Freiberg, 2003.