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Graduiertenkolleg
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1977 in Rodewisch/Sachsen geboren. 1995-2002 Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaften an der Universität Leipzig. 1998-1999 Auslandsstudium an der Université "Denis Diderot" in Paris. 2002-2003 Konzeptionelle Betreuung von Websites und PR in einer Multimediaagentur. 2003 Lehrauftrag zu computervermittelter Kommunikation an der Universität Leipzig. Oktober 2003 bis Juli 2004 Stipendiatin, seit August 2004 Kollegiatin des Graduiertenkollegs "Technisierung und Gesellschaft" an der TU Darmstadt. Seit August 2004 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft/Institut für Deutsche Philologie an der Universität Greifswald.
E-Mail: doerte.hein@uni-greifswald.de
[Zurück nach oben]Die Rolle und die spezifischen Präsentations- und Kodierformen unterschiedlicher Medien bei der Verfertigung von Erinnerungsbildern an Nationalsozialismus und Holocaust haben eine breite interdisziplinäre Forschung angeregt. Ein Forschungsdesideratum jedoch ist für die Neuen Medien, speziell das Internet, zu konstatieren. Ziel meines Promotionsprojektes ist es daher, die Vermittlungs- und Erinnerungsformen, die sich im World Wide Web herauskristallisieren, zu untersuchen, um die Frage zu beantworten, inwiefern das WWW als neues mediales Gedächtnisdispositiv bezeichnet werden kann.
Ausgehend von der Beschäftigung mit verschiedenen Arten medialer Vergangenheitsrekonstruktion
bezüglich des Nationalsozialismus und des Holocausts - etwa in filmischen
Darstellungen - stehen am Ende des Theorieteils zunächst hypothetische
Zusammenhänge, welche die Dispositionen des WWW als Gedächtnismedium
konkret beschreiben. So betreffen die Auswirkungen des Mediums in seiner
spezifischen Materialität und den Aneignungsbedingungen sowohl kommunikatives
und kulturelles Gedächtnis, welche sich neu verbinden, als auch die
Möglichkeit der mehrkanaligen Informationsvermittlung und der sich dadurch
verändernden Wahrnehmung. Ebenso zeigt sich eine Tendenz zur Individualisierung
und örtliche sowie zeitliche Beschränkungen der Rezeption werden aufgehoben.
Von der reinen Speicherung abgesehen, können außerdem interaktive Elemente
die aktive Aneignung von Erinnerungsanlässen in kommunikativen Situationen,
die hohe rezeptive Freiheitsgrade mit sich bringen, befördern.
Die Anlage des empirischen Teils folgt einem mehrstufigen Untersuchungsdesign.
In den als Leitfadengesprächen geführten Experteninterviews werden ausgewählte
Online-Kommunikatoren erinnerungskultureller Internetangebote einerseits
nach ihrer Motivation und ihren Zielen befragt, andererseits zu einer
Reflexion über Websites als „virtuelle Gedenkorte“ aufgefordert. Es
zeigen sich verschiedene Typen von Anbietern, die das WWW in spezifischer
Weise produktionsseitig funktionalisieren. Die qualitative Analyse des
Online-Inhaltes der Websites bildet den zweiten Baustein der empirischen
Untersuchung. Schließlich wird in Online-Befragungen die Seite der Nutzer
integriert (rezeptionsseitige Funktionalisierung). Die Erkenntnisse
aus diesen drei empirischen Teilen werden sodann miteinander vernetzt
und in Beziehung gesetzt.
Mit dem nahenden Ende von lebensgeschichtlichen Erinnerungen an den Nationalsozialismus und den Holocaust wird die kulturelle und mediale Vermittlung erinnerungsspezifischen Wissens bedeutsamer. Durch die Ergebnisse meiner Arbeit können empirisch fundierte Aussagen über die erinnerungskulturelle Bedeutung und Wirkmächtigkeit des Internets getroffen werden. Es wird herausgestellt, wer entsprechende Websites warum anbietet und wer sie mit welcher Intention nutzt. Deutlich wird in der Arbeit ebenso, in welchem Maße theoretische Dispositionen praktisch auch umgesetzt werden. Die hier erfolgte Kombination verschiedener methodischer Zugänge (Experteninterviews, qualitative Analyse des Online-Inhaltes, quantitative Nutzerbefragung) und deren Anwendung auf den Online-Bereich ist noch nicht erprobt und bietet insofern wichtige methodische Anknüpfungspunkte für künftige Forschungsvorhaben.
[Zurück nach oben]DDR-Geschichte im Internet. Tagung: Die Zukunft eines untergegangenen Staates. Die DDR als Gegenstand von Forschung, Lehre und der Politischen Bildung. März 2003, HoF Wittenberg (Vortrag, Publikation im Erscheinen).
Interaktive Medien als Quelle für den Unterricht. Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung, der Landeszentrale Sachsen-Anhalt und der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur: DDR-Geschichte zwischen Bewahren und Verdrängen. Oktober 2003, Halle/ Saale (Vortrag).
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