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Graduiertenkolleg
Technisierung und Gesellschaft

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Dr. phil. Christine Hauskeller
Kurzvita:
1984-1992 Studium der Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse in Frankfurt/M. 1994-1996 Promotionsstipendiatin des Landes Hessen 1999 Promotion in Philosophie mit der Dissertationsschrift "Das paradoxe Subjekt", (edition diskord, Tübingen 2000). Von 1999-2001 Wiss. Mitarbeiterin am Institut für Theologie und Sozialethik der TU-Darmstadt in einem interdisziplinären Verbundforschungsprojekt zu ethischen Fragen der Stammzellforschung unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Bender. Bis Dezember 2001 Postdoktorandin, danach assoziiertes Mitglied im DFG-Graduiertenkolleg Technisierung und Gesellschaft in Darmstadt. Gegenwärtig wiss. Mitarbeiterin an der TUD zur Erstellung eines ethischen Gutachtens zur Praxis der Entnahme, Kryokonservierung und medizinischen Behandlung mit Nabelschnurblut.
E-Mail: christine@hauskeller.de

Habilitationsprojekt:

Das Machtdispositiv um den Begriff Leben

Um den Begriff Leben ist heute in vielen Dimensionen und Bereichen ein Dispositiv entstanden. Dispositiv bezeichnet einen macht- und wirkungsvollen Begriffskomplex, der vieldeutig und unscharf aber stark affektgeladen ist und verwendet wird. Die gegenwärtige Debatte zum Schutz des Lebens in der öffentlichen Diskussion um neuere Medizintechniken ist ein besonders deutliches Beispiel für den Dispositivcharakter des Lebensbegriffs, um den sich zahlreiche religiöse, medizinische, naturwissenschaftliche etc. Theorien, Erklärungen und Bedeutungen ranken, und der eine lange, wechselvolle  Tradition in unserer Kultur hat. Diese Begriffsgeschichte des normativ aufgeladenen Lebensbegriffs ist bislang nicht gründlich rekonstruiert worden, und eben darum geht es mir; jedoch nicht darum, wie irgendwann in bestimmten Zusammenhängen das Wort Leben verwendet wurde etc. Es geht bei der Erforschung des Lebensbegriffs als eines zentralen Dispositivs der Gegenwart um den ganzen Komplex von Theorien, Assoziationen, medizinischen und juristischen Sprachverwendungen etc., die diesem Begriff seine aktuelle Bedeutungsvielfalt und Unschärfe verleihen. Sowohl die naturwissenschaftliche und technische Entwicklung und Theoriebildung ist also zu berücksichtigen wie auch die Veränderung der politischen und ökonomischen Theorien und Praktiken sowie Verschiebungen im Feld der normativen Diskurse, die sich durch vielfältige Faktoren wie Säkularisierung, Demokratisierung und Technisierung erheblich verschoben haben.
Trotz oder gerade wegen dieser Unschärfe wirkt der Begriff Leben in vielen Bereichen und Themenfeldern sehr machtvoll, als unklarer Ankerpunkt (scheinbarer) gesellschaftlicher Verständigung und Selbstverständigung.
Ziel der Untersuchung ist, die Geschichte und die Wirkmacht des Begriffes "Leben" so nachzuzeichnen, dass an die Stelle der Unbestimmtheit, die seine Potenz begründet, die Hintergründe und die Unterstellungen, mit denen verschiedene Verwendungsweisen von Leben arbeiten, deutlich werden. Eine solche skeptische Bestimmung soll das Dispositiv selbst durch die Beschreibung und die rationale historische Rekonstruktion seiner diskursiven Entstehung schwächen und der Analyse zugänglich machen. Dazu sollen die Konstellationen entschlüsselt und die Einflussfaktoren sichtbar gemacht werden, die dieses Dispositiv hervorgebracht haben.
Die ethische Diskussion mit und zum Lebensbegriff soll dabei nicht zu  einem Abschluss gebracht werden, schon weil so komplexe Selbstverständigungsprozesse in einer Kultur, wie sie uns die globalisierte Weltlage und die technischen Innovationen heute abfordern, nicht zu einem einfachen Ende gebracht werden können und sollten.
Die Beispiele werden voraussichtlich vor allem aus den medizinethischen Diskursen der Gegenwart entnommen, da sich daran die Vielschichtigkeit des Dispositivs am klarsten zeigt und ich mich auf diesem Gebiet sachlich am besten auskenne. Die Übertragung auf andere Technologiefelder ist beabsichtigt.
Diese Habilitationsarbeit wurde von der Darmstädter interdisziplinären Forschungsgruppe IANUS als Projekt akzeptiert und wurde ab Frühjahr 2000 mit einer halben BAT II a Stelle finanziert.
 

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Bücher:

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