![]() |
Graduiertenkolleg
|
![]() |
|
Habilitationsprojekt:
Das Machtdispositiv um den Begriff Leben
Um den Begriff Leben ist heute in vielen Dimensionen und Bereichen ein
Dispositiv entstanden. Dispositiv bezeichnet einen macht- und wirkungsvollen
Begriffskomplex, der vieldeutig und unscharf aber stark affektgeladen ist
und verwendet wird. Die gegenwärtige Debatte zum Schutz des Lebens
in der öffentlichen Diskussion um neuere Medizintechniken ist ein
besonders deutliches Beispiel für den Dispositivcharakter des Lebensbegriffs,
um den sich zahlreiche religiöse, medizinische, naturwissenschaftliche
etc. Theorien, Erklärungen und Bedeutungen ranken, und der eine lange,
wechselvolle Tradition in unserer Kultur hat. Diese Begriffsgeschichte
des normativ aufgeladenen Lebensbegriffs ist bislang nicht gründlich
rekonstruiert worden, und eben darum geht es mir; jedoch nicht darum, wie
irgendwann in bestimmten Zusammenhängen das Wort Leben verwendet wurde
etc. Es geht bei der Erforschung des Lebensbegriffs als eines zentralen
Dispositivs der Gegenwart um den ganzen Komplex von Theorien, Assoziationen,
medizinischen und juristischen Sprachverwendungen etc., die diesem Begriff
seine aktuelle Bedeutungsvielfalt und Unschärfe verleihen. Sowohl
die naturwissenschaftliche und technische Entwicklung und Theoriebildung
ist also zu berücksichtigen wie auch die Veränderung der politischen
und ökonomischen Theorien und Praktiken sowie Verschiebungen im Feld
der normativen Diskurse, die sich durch vielfältige Faktoren wie Säkularisierung,
Demokratisierung und Technisierung erheblich verschoben haben.
Trotz oder gerade wegen dieser Unschärfe wirkt der Begriff Leben
in vielen Bereichen und Themenfeldern sehr machtvoll, als unklarer Ankerpunkt
(scheinbarer) gesellschaftlicher Verständigung und Selbstverständigung.
Ziel der Untersuchung ist, die Geschichte und die Wirkmacht des Begriffes
"Leben" so nachzuzeichnen, dass an die Stelle der Unbestimmtheit, die seine
Potenz begründet, die Hintergründe und die Unterstellungen, mit
denen verschiedene Verwendungsweisen von Leben arbeiten, deutlich werden.
Eine solche skeptische Bestimmung soll das Dispositiv selbst durch die
Beschreibung und die rationale historische Rekonstruktion seiner diskursiven
Entstehung schwächen und der Analyse zugänglich machen. Dazu
sollen die Konstellationen entschlüsselt und die Einflussfaktoren
sichtbar gemacht werden, die dieses Dispositiv hervorgebracht haben.
Die ethische Diskussion mit und zum Lebensbegriff soll dabei nicht
zu einem Abschluss gebracht werden, schon weil so komplexe Selbstverständigungsprozesse
in einer Kultur, wie sie uns die globalisierte Weltlage und die technischen
Innovationen heute abfordern, nicht zu einem einfachen Ende gebracht werden
können und sollten.
Die Beispiele werden voraussichtlich vor allem aus den medizinethischen
Diskursen der Gegenwart entnommen, da sich daran die Vielschichtigkeit
des Dispositivs am klarsten zeigt und ich mich auf diesem Gebiet sachlich
am besten auskenne. Die Übertragung auf andere Technologiefelder ist
beabsichtigt.
Diese Habilitationsarbeit wurde von der Darmstädter interdisziplinären
Forschungsgruppe IANUS als Projekt akzeptiert und wurde ab Frühjahr
2000 mit einer halben BAT II a Stelle finanziert.
Wichtigste Publikationen:
Bücher:
Weitere Informationen, Publikationen usw. unter: www.hauskeller.de