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Graduiertenkolleg
Technisierung und Gesellschaft

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Hajo Greif
Kurzvita:
* 1968. Studium der Philosophie, Kulturanthropologie und Soziologie in Frankfurt/Main 1991-1997. Abschluß mit dem Magistertitel 1997. Im Anschluß bis 1999 Fortbildung und Arbeit im Medienbereich (Verlag, PR, Neue Medien). Seit 1997 Mitarbeit in der interdisziplinären "Arbeitsgruppe Biopolitik". Von April 2000 bis März 2003 Stipendiat am Graduiertenkolleg "Technisierung und Gesellschaft", seither assoziiertes Mitglied.
Forschungsaufenthalt am Science Studies Unit der University of Edinburgh, Herbst 2001.
E-Mail: hajo.greif@gmx.net

Beschreibung des Promotionsprojekts:

Wer spricht im Parlament der Dinge?
Über technologische Handlungsfähigkeit

In den Natur- wie in den Sozialwissenschaften erleben Theorien eine Konjunktur, welche die Frage nach der Handlungsfähigkeit in gesellschaftlichen Kontexten grundsätzlich neu stellen. Diese Konjunktur hat ihren Auslöser in neueren technologisch-naturwissenschaftlichen Entwicklungen in KI, Gentechnologie und Mensch-Maschine-Systemen, die einem Skeptizismus gegenüber Ideen von einer spezifisch menschlichen Subjektivität Vorschub leisten. Die Welt der Science and Technology Studies ist bevölkert von Hybriden, Cyborgs, technowissenschaftlichen Kollektiven und anderen merkwürdigen nicht-menschlichen Akteuren, in denen sich die Entwicklungen der Life Sciences reflektiert finden. Meine Arbeit ist von der Vermutung geleitet, daß hier zwar interessante Phänomene aufgedeckt werden, daß diese Theorien andererseits aber in bezeichnender Weise vieldeutig und undeutlich werden, wenn es darum geht, ihre Vorstellung von Handlungsfähigkeit auszubuchstabieren. Wer oder was gilt in der Akteur-Netzwerk-Theorie rechtmäßigerweise als Akteur? Was heißt es, ein »materiell-semiotischer Akteur« (nach Haraway) zu sein? Was tut ein egoistisches Gen? Oder handelt es sich hier um leere Rhetorik?

Ich möchte den Versuch unternehmen, das Phänomen der technologisch induzierten Neuverteilung von Handlungsfähigkeit über eine von der analytischen Philosophie des Geistes inspirierte Handlungstheorie zu retten. Diese Theorie wird sich insbesondere mit dem Zusammenhang zwischen mentaler Absicht und sprachlicher Bedeutung befassen und, entgegen weiten Teilen der modernen philosophischen Tradition, dafür argumentieren, daß erstere keine Vorbedingung für letztere ist, sondern Bedeutung ebenso wie zielgerichtetes Verhalten funktional und evolutionär zu erklären sind. Dies impliziert, daß das Vorhandensein sprachlichen Bewußtseins kein Privileg auf Handlungsfähigkeit sichert. Auf der Basis naturalistischer Bedeutungstheorien (Millikan, Dennett, Dretske) möchte ich vielmehr zeigen, daß intentionale Strategien der Verhaltenserklärung, seien sie animistischer oder anthropomorphisierender Art, ein durchgängiges Element menschlicher Lebenswelten waren und sind. In ihnen werden eine Vielzahl von nicht-menschlichen Dingen als Träger von Handlungen und Bedeutungen behandelt. Die Grenze zwischen handlungsfähigen und nicht handlungsfähigen Wesen ist durchlässig und stetigen Veränderungen unterworfen. Handlungsfähigkeit wird im Rahmen von wechselseitigen Zuschreibungen und erfolgreichen Interpretationen der Welt verteilt * und entzogen.

Ziel der Arbeit ist, die Bedingungen dafür anzugeben, ob und wann es gerechtfertigt ist, technologisch und sozial erzeugten Systemen * eben jenen Hybriden, Cyborgs und egoistischen Genen * Handlungsfähigkeit zuzuschreiben, um damit etwas über den Zustand der hochtechnologisierten Gesellschaften der Gegenwart zu lernen.

Publikationen: