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Graduiertenkolleg
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geboren 1977 in Prenzlau. 1997 – 2003 Studium der Germanistischen Linguistik und Neueren und Neuesten Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2000 – 2003 studentische Hilfskraft am Institut für Deutsche Sprache und Linguistik (Lehrstuhl für Syntax, Prof. Dr. Norbert Fries). 2003 Abschluss des Studiums mit dem Titel „Magistra Artium“, Magisterarbeit über Wortbildung des Deutschen. 2003 – 2006 Stipendiation im Graduiertenkolleg “Technisierung und Gesellschaft” an der Technischen Universität Darmstadt. 2006 Abgabe der Dissertation “Gehirnmetaphern. Die populärwissenschaftliche Konzeptualisierung des Gehirns”, Promotionsverfahren.
E-Mail: Juliana.Goschler@alumni.hu-berlin.de
[Zurück nach oben]“When I was a kid, we were always assured that the brain was a telephone switchboard. ‘What else could it be?’” (John Searle)
Meine Dissertation beschäftigt sich mit Metaphern, die zur Beschreibung
und Erklärung des menschlichen Gehirns benutzt werden. Ausgangspunkt
meiner Überlegungen war die Beobachtung, dass die Entwicklung der Technik
offensichtlich maßgeblich ist für die Metaphorisierung und Konzeptionalisierung
des Gehirns als wissenschaftlicher Gegenstand.
Die Arbeit basiert auf einer Korpusanalyse zweier Jahrgänge der Zeitschrift
Gehirn & Geist – eine populärwissenschaftliche Zeitschrift mit Texten,
die von Journalisten und Wissenschaftlern verfasst werden. Durch die
Analyse dieses kleinen Korpus möchte ich herausfinden, welche Metaphern
tatsächlich in der Sprache benutzt werden, um das Gehirn zu beschreiben
und zu verstehen.
Tatsächlich enthalten diese Texte eine große Menge an Metaphern für
das Gehirn. Erwartungsgemäß wird oft technisches Wissen auf das Gehirn
übertragen, um Fragen und Erklärungen in der Hirnforschung und den Kognitionswissenschaften
zu generieren. Oft ist eine Form der „Interaktion“ zwischen zwei Domänen,
etwa dem Computer und dem Gehirn zu erkennen, so etwa in der Entwicklung
der Kybernetik, der Künstlichen Intelligenz und den Kognitionswissenschaften.
Dabei werden theoretische Begriffe (meistens Nomen) aus einer Domäne
entlehnt, in der anderen Domäne benutzt und manchmal sogar „zurück-entlehnt“
– wie man etwa an Begriffen wie Arbeitsspeicher beobachten kann. Diese
Metaphern werden oft als explizite Analogien eingeführt und entwickeln
sich zu konventionalisierten Metaphern. Die Einführung neuer technischer
Metaphern ist unmittelbar an die technische Entwicklung geknüpft, hängt
aber auch von der Einzelsprache und dem Wissen des Sprechers/Autors,
sowie seinem kulturellen, sprachlichen und wissenschaftlichen Umfeld
ab. In einigen Fällen werden diese Metaphern Thema philosophischer Diskussionen
über den Nutzen und die Gefahr von Metaphern in der Wissenschaft, so
wie die Computermetapher des Geistes, die in den letzten Jahrzehnten
in der Philosophie und den Neurowissenschaften ausführlich debattiert
wurde.
Aber auch ein anderer Typ von Metaphern ist allgegenwärtig, nämlich
Reifizierungen, Raummetaphern (darunter Orientierungsmetaphern, Behältermetaphern
und Wegmetaphern) und Personifizierungen. Diese Metaphern sind, anders
als die technischen Metaphern, stark asymmetrisch und sie scheinen über
lange Zeiträume hinweg und in vielen verschiedenen Sprachen und Kulturen
verwendet zu werden. Ebenfalls im Gegensatz zu den technischen Metaphern
beruhen sie vor allem auf der spezifischen Verwendung von Verben und
Präpositionen und werden kaum sprachlich als Metaphern markiert oder
gar auf der Meta-Ebene diskutiert. Möglicherweise sind sich die Sprecher
in vielen Fällen nicht bewusst, dass sie Metaphern verwenden. Diese
Metaphern sind im Übrigen nicht auf die Domäne des Gehirns beschränkt,
sondern werden verwendet, um verschiedenste abstrakte Bereiche wie Zeit,
Kommunikation oder Technik zu beschreiben. Daher scheint es, als ob
technische Metaphern grundsätzlich auf diesen Basis-Metaphern beruhen.
Es gibt also verschiedene Formen der Metaphorisierung des Gehirns. Gilt
diese Kategorisierung für Metaphern im Allgemeinen, und wenn ja, was
bedeutet dies für eine theoretische Beschreibung von Metaphern und mentalen
Konzepten? Ich behaupte, dass eine Differenzierung verschiedener Typen
von Metaphern – Reifizierung/Raummetaphern, Personifizierung und komplexe
Metaphern, darunter technische – eine neue Perspektive auf alte Probleme
von Metapherntheorien, wie die linguistische Beschreibung, Asymmetrie
oder Unidirektionalität, die Erfahrungsbasiertheit und die Abhängigkeit
von sprachlichen und kulturellen Gegebenheiten von Metaphern, bieten
kann.