Projektlaufzeit

Oktober 2005 bis Juli 2009

Projektbeschreibung

Die verstärkte Einbindung privater Akteure in grenzüberschreitende politische Steuerungsprozesse ist ein wesentliches Postulat der Global Governance-Debatte. Vor diesem Hintergrund soll durch einen systematischen Vergleich unterschiedlicher privater Selbstregulierungsansätze untersucht werden, unter welchen Bedingungen privatwirtschaftliche Selbstregulierung als ein Komplement oder gar Substitut zur (zwischen-) staatlichen politischen Steuerung in Betracht kommt. Aus der übergreifenden Perspektive der Wahrnehmung öffentlicher Funktionen im postnational entgrenzten Zeitalter soll dabei nach einem Design für das funktionale und institutionelle Ineinandergreifen von priva­ter Selbstregulierung und öffentlicher Regulierung im Raum jenseits des Staates gesucht werden, das sowohl Effektivitäts- als auch demokratischen Legitimitätsanforderungen genügt.

Die Untersuchung kombiniert ein übergreifendes steuerungstheoretisches Interesse mit einem akteurstheoretischen Zugriff auf die beiden Fragen der Normverbreitung und Normbefolgung. In einem ersten Schritt werden in Vorstudien die Effektivität und Legitimität ausgewählter Initiativen aus drei unterschiedlichen Typen privater Selbstregulierung untersucht, bei denen es um die Bereitstellung von collective goods und die Vermeidung von collective bads geht: (1) staatlich bzw. zwischenstaatlich eingebettete Ansätze, (2) Multi-Stakeholder-Ansätze sowie (3) rein privatwirtschaftliche Ansätze. Die innerhalb dieser Typen ausgewählten Initiativen werden im Hinblick auf die verwendeten Steuerungsinstrumente (a) Markt, (b) die Bedrohung durch soziales shaming bzw. staatliche Regelementierung sowie (c) Überzeugung variiert, um erste Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen diesen Faktoren, den von ihnen erzeugten Handlungslogiken und der Effektivität der Steuerungsansätze zu gewinnen.

In einem zweiten Untersuchungsschritt wird dann anhand von Unternehmensfallstudien geprüft, inwieweit sich die im ersten Schritt entwickelten Hypothesen zur Erklärung der Verlässlichkeit und der Nachhaltigkeit privater Selbstregulierung durch eine Untersuchung der Handlungsmotive auf Unternehmensebene bestätigen lassen. Da davon auszugehen ist, dass sich transnationale Unternehmen unter gleichen externen Rahmenbedingungen auf unterschiedlich verlässliche und nachhaltige Weise an Selbstregulierungsinitiativen beteiligen, soll in den Unternehmensstudien auch untersucht werden, welche zusätzlichen Bedingungen unterschiedliche Handlungsmotive und die Rolle bestimmter Unternehmen als „Bremser“ oder „Vorreiter“ innerhalb der jeweils betrachteten Initiativen erklären können.

In einem parallelen Untersuchungsstrang wird in der ersten Projektphase ein normatives Kriterienraster für die Legitimität privater Selbstregulierungsaktivitäten entwickelt und auf die unterschiedlichen Typen von Initiativen angewandt. Durch Zusammenführung beider Stränge sollen am Ende des Projekts Antworten auf die Frage nach dem idealen Mischungsverhältnis zwischen öffentlicher und privatwirtschaftlicher Regulierung gesucht werden.

 

Technische Universität Darmstadt

Institut für Politikwissenschaft

Arbeitsbereich Internationale Beziehungen

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Raum S1-03/453a - 455

64289 Darmstadt

Tel.: +49(0)6151 16-6285, -6287

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