Forschungsprojekte mit Beteiligung Prof. Dr. Löw
Das Institut für Soziologie der TU Darmstadt etabliert den Lehr- und Forschungschwerpunkt „Stadt, Raum und Ort“ neu. Im Zentrum der theoretischen Aufmerksamkeit stehen die vielfältigen Praktiken, mittels derer über spacing und placing ethnische, geschlechts- und klassenspezifische Differenzierungen hervorgebracht, verstetigt oder zerstört werden. Verfolgt wird das Projekt einer Soziologie des Raumes, die sich als auf eine empiriegeleitete Theoriebildung konzentriert, Ort und Raum als differente, aufeinander bezogene Begriffe konzeptualisiert sowie mikro- und makrosoziologische Phänomene in ihren Wirkungsgefügen analysiert.
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LOEWE-Schwerpunkt "Eigenlogik der Städte"
Seit Sommer 2008 fördert das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst im Rahmen der Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) für zunächst drei Jahre den Schwerpunkt „Eigenlogik der Städte“, eine Kooperation der Technischen Universität und der Hochschule Darmstadt.
„Eigenlogik“ steht dabei als Arbeitsbegriff für die je spezifischen und „typischen“ Eigenschaften und stillschweigend wirksamen Prozesse der Sinnformung einer Stadt, die das Projekt aufzudecken versucht. Erkenntnisinteresse ist es, die grundlegenden Strukturen der Städte zu verstehen sowie Relationen und Ähnlichkeiten zwischen den Städten nachzuvollziehen. Zentrales methodisches Instrument ist der Städtevergleich.
Neben sozialwissenschaftlichen Erhebungsmethoden kommen in den Forschergruppen auch planerische sowie natur- und ingenieurwissenschaftliche Ansätze zum Einsatz. Wissenschaftliches Zentrum des LOEWE-Schwerpunkts sind drei Forschergruppen, die an Fallstudien zu je unterschiedlichen Fragestellungen arbeiten. Zusätzlich werden in der Graduiertenschule URBANgrad Dissertationen zu Methoden des Städtevergleichs, zur Eigenlogik ausgewählter Städte in Hessen, Deutschland, Europa und weltweit, sowie Fallstudien zur Wirksamkeit lokaler Potentiale bearbeitet.
MAKI – Multi-Mechanismen-Adaption
Laufzeit: Januar 2013- Dezember 2016
DFG-Projekt zu „Menschenansammlungen als Ursache für Netztransitionen“ im Rahmen des Sonderforschungsbereich 1053 MAKI – Multi-Mechanismen-Adaption für das künftige Internet (zusammen mit Prof. Dr. Wolfgang Effelsberg, Prof. Dr. Thorsten Strufe)
Lokale Konventionen des Friseurwesens: Städtische Eigenlogik in Wirtschaftspraktiken
Laufzeit: seit 2011
Das Teilprojekt untersucht, ob und wie sich die jeweilige Stadt strukturierend im dort angesiedelten Friseurwesen zeigt. Wenn es nicht falsifizierbar ist, dass sich die Wirtschaftspraktiken im Friseurwesen von Stadt zu Stadt unterscheiden, kann angenommen werden, dass Städte eigene Praxislogiken entwickeln. Diese Eigenlogiken können über die Art der Wirtschaftspraktiken, die von der jeweiligen
Stadt beeinflusst werden, spezifiziert werden. Die Friseurbranche wird als Fallbeispiel gewählt, um die übergeordnete Frage zu klären, ob und wenn ja wie sich die Eigenlogik einer Stadt in Wirtschaftspraktiken hineinwebt. Als Fallstudie dient die Friseurbranche, da es sich um einen hochgradig standardisierten, in allen Städten mit genügend Unternehmen vertretenen Wirtschaftsbereich handelt, in dem scheinbar ortsunabhängig gewirtschaftet wird. Das Projekt greift eine zentrale Dimension für Stadtentwicklung (ihre Wirtschaft) auf und fragt anhand eines aus theoretischer Perspektive kritischen Falls, auf welche Weise und wie tief greifend stadtspezifische Relevanzsetzungen die Praktiken des Wirtschaftens durchziehen. Die Stadt wird entsprechend nicht als passiver Resonanzkörper, sondern
auch als aktiv auf die Wirtschaft einwirkender Faktor untersucht. Die Kohärenz der Handlungen wird nicht nur aus der Logik der Branche, sondern auch aus der Logik der jeweiligen Stadt erklärt. Theoretische Anknüpfungspunkte sind als praxeologische Ansätze die Neue Wirtschaftssoziologie und die
Ökonomie der Konventionen. Im Rahmen eines multimethodischen Designs werden verschiedene Verfahren im Städtevergleich kombiniert, u. a. Einzelfallanalyse, Branchenprofil, Ethnografie und standardisierte Befragung von Friseursalons. Die Untersuchungsstädte sind Birmingham, Glasgow, Frankfurt am Main, Dortmund.
Das Projekt ist Teil des DFG-Paket-Projektverbunds »Eigenlogik der Städte«
Internet-Privacy – Eine Kultur der Privatsphäre und des Vertrauens im Internet (abgeschlossen)
Projektleitung: Prof. Dr. Johannes Buchmann, Prof. Dr. Martina Löw, u.a.
Laufzeit: 2011 - 2012
Der Umgang mit Privatsphäre im Internet ist geprägt von einem Paradox:
Intensive Internet-Nutzung steht Befürchtungen gegenüber, dass Privatsphäre verletzt wird und dadurch Nachteile entstehen. Dieses Paradox kann eine für Nutzer, Gesellschaft und Wirtschaft optimale Entfaltung der enormen Potenziale des Internets beeinträchtigen. Das interdisziplinäre (Soziologie, Informatik, Ethik, Rechts- und
Wirtschaftswissenschaften) Projekt entwickelt Vorschläge für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zur Etablierung einer Kultur der Privatsphäre und des Vertrauens im Internet, in der Ethik, Recht, Wirtschaft und Technik so entwickelt sind, dass Internetnutzer die Möglichkeit haben, das für sie adäquate Maß an Privatheit und die entsprechenden Risiken einzuschätzen und sich angemessen zu verhalten.
Das Projekt entwickelt exemplarische Technologie, die die Möglichkeit einer solchen Kultur zeigt. Basis ist eine breite Erforschung des Status Quo: Wünsche und Befürchtungen von Individuen und Gesellschaft, ethische, rechtliche, wirtschaftliche und technische Rahmenbedingungen und eine Erhebung der Optionen in unterschiedlichen Handlungsfeldern (z.B. soziale Netzwerke und e-health).
Das Projekt ist Teil des DFG-Projektverbunds
Dieses Projekt wird durch Mittel des BMBF finanziert
Die soziale Ordnung des Sexuellen. Rekonstruktion der erzählten Lebensgeschichte von Bisexuellen (abgeschlossen)
Laufzeit: 2010 - 2012
Ziel des Forschungsprojektes ist es, die erzählte Lebensgeschichte von Bisexuellen zu rekonstruieren und daraus abgeleitet Hypothesen über die soziale Konstruktion von Sexualität und Geschlecht zu entwickeln. Dazu soll eine biografie-analytische Studie mit etwa 60 erwachsenen Bisexuellen durchgeführt werden, in der den sexualbiografischen Erzählungen der einzelnen Befragten nachgegangen wird. Zentrale Frage ist, wie Bisexuelle unter gesellschaftlichen Bedingungen einer exklusiven Konstruktion von Homo- und Heterosexualität ihre Erfahrungen mit Sexualität rekapitulieren und darstellen. Die geplante Untersuchung ordnet sich damit in den Kontext der neueren Frauen- und Geschlechterforschung ein und setzt mit der lebensgeschichtlichen Betrachtung von Bisexualität an einer zentralen Forschungslücke in diesem Forschungsfeld an.
Die Seele Mannheims (abgeschlossen)
Laufzeit: 2010 - 2011
In der Studie zur „Seele Mannheims“ wird die besondere Logik des gemeinsamen Alltags in Mannheim unter der Federführung von Prof. Dr. Martina Löw erforscht. Im Zentrum der Untersuchung stehen die Identifizierung von politischen Handlungsfeldern sowie die Strategieplanung für die Zukunft der Stadt. Bei der Vorgehensweise orientieren sich die Wissenschaftler aus Geschichts- und Sozialwissenschaft an dem internationalen Forschungsdesign des Forschungsschwerpunktes Stadtforschung an der TU Darmstadt.
Das Wirkungsgefüge von Raum und Geschlecht am Beispiel Prostitution (abgeschlossen)
Im Projekt wird am Beispiel der historisch sich wandelnden Verortung von Prostitution in der Stadt Frankfurt die Wechselwirkung von Raum und Geschlecht untersucht. Prostitution wird als ein Feld betrachtet, welches sozialräumlich sich konstituiert und damit Geschlechterverhältnisse strukturiert, aber gleichzeitig auf Aushandlungen zwischen Geschlechtern basiert, die wiederum von Klassen- und Ethnizitätsverhältnissen durchzogen sind.
Gefördert von der DFG.
(Projektleitung: Prof. Dr. Martina Löw/Dr. Renate Ruhne)
Räume der biomedizinischen Mikrosystemtechnik (abgeschlossen)
Eine wissenssoziologische Fallstudie zur Vermittlung technischer Innovationen. Das Projekt untersucht anhand der wechselseitigen Vermittlungen durch Forschungsinstitute, Wirtschaftsunternehmen und Massenmedien, wie für die Zukunft der Bio-, Informations- und Nanotechnologie im Vorfeld ihrer technischen und sozialen Implementierung Bedarf erzeugt wird. Es wird danach gefragt, wie durch spezifische Kombinationen schriftlicher und visueller Darstellungen die Wahrnehmung der zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten beeinflusst wird.
Gefördert von der DFG.
(Projektleitung: Dr. Andreas Lösch)
Darmstädter Frauenbarometer: Sicherheit (abgeschlossen)
Hierbei handelt es sich um eine Studie zum Sicherheitsempfinden von Frauen im öffentlichen Raum der Stadt Darmstadt.
(Projektleitung: Prof. Dr. Martina Löw)
Projektbericht
Stadt und Theater (abgeschlossen)
Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt zur Untersuchung der Freizeitinteressen der Bürgerinnen und Bürger in Darmstadt und Umgebung, ihrer Wünsche und Interessen bei sowie Kritik an einem Theaterbesuch.
(Projektleitung: Prof. Dr. Martina Löw)
Stadt und Theater II (abgeschlossen)
Kooperation mit dem Staatstheater Darmstadt. Studie zum Image des Theaters in Darmstadt und Umgebung.
(Projektleitung: Prof. Dr. Martina Löw, Silke Steets und Sergej Stoetzer)